Prähistorische Anthropologie pp 5-14 | Cite as
Voraussetzungen für die Erhaltung menschlicher Überreste
Zusammenfassung
Unmittelbar nach dem Tode beginnt der Prozeß der Leichenzerstörung. Am Beginn steht die Autolyse, d.h. der Abbau organischer Bestandteile durch körpereigene Enzyme. Hieran schließt sich die Leichenfäulnis an. Dieser Vorgang wird hauptsächlich durch bakterielle Besiedlung der Leiche bewirkt, wobei parallel laufende autolytische Veränderungen unterstützend mitwirken. Die Fäulnis führt zu fortschreitender Erweichung und Verflüssigung innerer Organe. Regelhaft wird die Ablösung der Epidermis und ihrer Anhänge beobachtet. Die bakterielle Gasentwicklung bewirkt blasige Aufwerfungen der Gewebe, mitunter Aufblähungen der Leiche, was zu Lageverschiebungen der Extremitäten führen kann. Weicht eine Fundsituation von der für die Bestattung zeittypischen “Normallage” eines Skelettes ab, ist bei der Interpretation auch an solche Prozesse zu denken. Nach der Fäulnis, die zu erheblichem Flüssigkeitsverlust führt, folgt die Verwesung in eher trockenem Milieu. Verbliebene angetrocknete Weichteilreste zerfallen torfig unter Mitwirkung invadierender Pilzhyphen. Dieser Vorgang führt letztendlich zur Skelettierung der Leiche. Der weitere Zerfall der skelettierten Leiche schreitet nach einem anatomisch bedingten Schema fort. Innerhalb dieser natürlichen Zerfallssequenz bleiben alle die gelenkigen Verbindungen von Skelettelementen, die von einem starken Sehnen- und Bänderapparat umgeben sind, am längsten im anatomischen Verband. Hierzu zählen vor allem der Beckengürtel und die Wirbelsäule.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- Berg S (1975) Leichenzersetzung und Leichenzerstörung. In: Mueller B (Hrsg), Gerichtliche Medizin, Bd 1, 62 – 106. Springer, Berlin Heidelberg New YorkGoogle Scholar
- Eickhoff S, Herrmann B (1985) Surface marks on bones from a Neolithic collective grave (Odagsen, Lower Saxony). A study on differential diagnosis. J Hum Evol 14: 263 – 274Google Scholar
- Keeley HCM (1986) Examples of soil features associated with the decomposition of human skeletal remains. In: Herrmann B (Hrsg) Innovative Trends in der prähistorischen Anthropologie. Mitt Berl Ges Anthropol Ethnol Urgesch 7: 13 – 14Google Scholar
- Newesely H (1987) Chemical stability of hydroxyapatite under different conditions. In: Grupe G, Herrmann B (eds) Trace elements in environmental history, pp 1 –16. Springer, Berlin Heidelberg New YorkGoogle Scholar