Konjunkturpolitik pp 76-78 | Cite as
Das traditionelle Instrument: Nachfragesteuerung
Zusammenfassung
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Zunächst einmal das Problem der Verzögerungen: Um in der Hochkonjunktur tatsächlich bremsend bzw. in der Rezession anregend wirken zu können, müssen die dämpfenden bzw. stimulierenden Maßnahmen vor dem Auftreten merklicher Zielverletzungen, also bereits im mittleren Auf- oder Abschwung, gesetzt werden. Das ist nicht bloß prognostisch eine schwierige Aufgabe, sondern vor allem auch politisch, weil in dieser Phase das Problembewußtsein drohender Inflation bzw. drohender Arbeitslosigkeit noch fehlt — bei der Öffentlichkeit und daraus abgeleitet bei den Politikern.
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Zweitens stößt diese Handlungsanweisung auf das steuerungstheoretische Problem, daß ein Ziel durch jeweils ein Instrument erreicht werden kann, daß also die Konzentration von Fiskal- und Geldpolitik auf ein Ziel, nämlich Nachfragesteuerung, ein Instrument „verschwendet“, das besser zur Erreichung anderer Ziele eingesetzt werden könnte.
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Dazu kommt drittens, daß die wirtschaftspolitische Praxis nicht an Nachfragesteuerung als solcher interessiert ist, sondern an einer Dämpfung der Inflation in der Hochkonjunktur und an einer Verhinderung von Arbeitslosigkeit in der Rezession; die Verhinderung einer Überhitzung der Nachfrage ist für sie bestenfalls ein Zwischenziel, dessen Zusammenhang mit dem wirklichen Ziel wegen der Verzögerungen bloß unklar bewußt ist bzw. verdrängt wird.
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Viertens sind die nationalen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen durch internationalisierungsbedingt steigende Sickerverluste ins Ausland relativ schwach geworden (kleine Multiplikatoren) und sie variieren je nach Bedingungen auch erheblich.
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Fünftens darf nicht übersehen werden, daß nicht bloß der Verzicht auf Stabilisierungspolitik Kosten (der Arbeitslosigkeit oder der Inflation) verursacht, sondern gleichermaßen auch der Einsatz der stabilisierungspolitischen Instrumente: Vor allem große und häufige Änderungen der Instrumente verursachen Anpassungskosten und Verzerrungen in weiten Teilen der Wirtschaft, die zwar in statischen Modellen kaum bemerkt werden, in dynamischer Betrachtung allerdings außerordentlich wichtig sind
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