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Die jüngste Kritik an der IS—LM, AD/AS Analyse: Viel Lärm um Nichts?

  • Klaus Jaeger

Zusammenfassung

Die IS—LM Analyse sowie die auf ihr basierende aggregierte gesamtwirtschaftliche Nachfrage (AD) ist in Kombination mit dem aggregierten gesamtwirtschaftlichen Angebot (AS) nach wie vor das dominierende Paradigma der (kurzfristigen) Einkommens — und Beschäftigungstheorie. Dieser Ansatz ist in jüngster Zeit — praktisch unbemerkt von den neueren Lehrbüchern auf diesem Gebiet (Dutt, 1997) — zunehmend in die Kritik geraten. Dabei werden nicht primär die einzelnen Modellbausteine wie die IS—LM Analyse, die daraus abgeleitete AD—Funktion resp. die AS—Funktion kritisiert, sondern das (dynamische) Zusammenspiel von AD und AS zur Bestimmung des gleichgewichtigen Preisniveaus p* bei vollständiger Konkurrenz auf dem Güterund Geldmarkt (Rowan, 1975, Hall/Treadgold, 1982, Allen/Stone, 1993, Dalziel, 1993, Colander 1995, 1997, Dutt, 1997, Bhaduri/Laski/Riese, 1999). Der Grund ist eine leicht nachvollziehbare Inkonsistenz: Die AD ist eine aus dem IS—LM Modell unter der Voraussetzung abgeleitete Funktion, daß die Produktion (=realisiertes oder geplantes Angebot=realisiertes oder erwartetes Einkommen) sich jeweils der u.a. aus diesem Einkommen ergebenden Nachfrage bei alternativ vorgegebenem Preisniveau p anpaßt (nachfragerestringiertes Gleichgewicht); die aggregierte Angebotsfunktion ist also in diesem Fall völlig preiselastisch (Grenzkosten bei vorgegebenem Nominallohn ω g < Preisniveau). Die AS—Funktion ihrerseits beschreibt ein rein preisrestringiertes gewinnmaximierendes Unternehmerverhalten ohne Mengenrestriktion, d.h. ein bei alternativen Preisen gewünschtes unrestringiertes Angebot (=Produktion). Gilt somit p > p*, wird die Rolle des Walrasianischen Auktionators unklar: Orientiert er sich an dem ihm gemeldeten gewünschten unrestringierten Angebot, kann die resultierende Nachfrage nicht gemäß der aus dem IS—LM Modell abgeleiteten AD—Funktion ermittelt und gemeldet werden. Orientiert er sich umgekehrt an der über die AD—Funktion ermittelten Nachfrage, hat er keine Veranlassung mehr, den Preis zu senken, da das (gemeldet) mengenrestringierte Angebot (=Produktion) der Nachfrage entspricht. Für den Bereich p < p* (angebotsrestringiertes Gleichgewicht) gilt eine ganz analoge Situation. Damit sind Preisanpassungen und insbesondere auch die im Rahmen komparativ-statischer Gleichgewichtsbetrachtungen abgeleiteten Modeller-gebnisse mit endogen bestimmtem Preisniveau bei vollständiger Konkurrenz im Rahmen dieses Paradigmas zumindest problematisch.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2001

Authors and Affiliations

  • Klaus Jaeger
    • 1
  1. 1.FB Wirtschaftswissenschaft, WE Volkswirtschaftslehre, Institut für WirtschaftstheorieFreie Universität BerlinBerlin

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