Peutz-Jeghers-Syndrom: Ergebnisse einer Deutschlandweiten Untersuchung

  • T. Vogel
  • V. Schumacher
  • B. Leube
  • G. Möslein
  • B. Royer-Pokora
  • H.-D. Röher
Conference paper
Part of the Deutsche Gesellschaft für Chirurgie book series (DTGESCHIR, volume 2002)

Zusammenfassung

Das Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS) geht mit einer hamartomatösen Polyposis, typischen Pigmentierungen sowie erhöhtem Malignomrisiko einher. 1998 wurde ein Gen gefunden, das für einen Teil der PJS-Fälle verantwortlich ist. Wegen der Seltenheit des Syndroms beruhen bisherige Therapie- und Vorsorgeempfehlungen auf Untersuchungen kleiner Patientenkollektive. Zudem ist die Bedeutung der Mutationsdiagnostik unklar. Wir haben daher PJS-Familien gesammelt und neben der Mutationsanalyse das Malignomrisiko, eine mögliche Genotyp-Phänotyp-Korrelation sowie den Krankheitsverlauf untersucht. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurde ein Vorsorgeplan erstellt. Material/ Methoden:45 Familien mit 83 betroffenen Angehörigen (46 Frauen/37 Männer) im Alter von 7-77 Jahren und einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 16 Jahren (1 – 50). Diagnosekriterien: a) zwei PJS-Polypen, oder b) ein Polyp zusammen mit typischen Pigmentierungen, oder c) ein Polyp oder Pigmentierungen bei positiver Familienanamnese. Ergebnisse:Das STK11/LKB1-Gen wurde bisher in 38 Familien untersucht. Hierbei wurden 27 Mutationen gefunden; 11 mal gelang kein Mutationsnachweis. Die Polyposis betraf vornehmlich den Dünndarm, gefolgt von Colon und Magen. Die Entfernung des ersten Polypen erfolgte zwischen 0-56 Lebensjahren; die Hälfte der Patienten wurde in der zweiten Lebensdekade symptomatisch. Insgesamt wurden 44 Notoperationen im Dünndarm wegen Invaginationen durchgeführt. 24 mal hatte sich die Notsituation über Tage bis Wochen angekündigt, während sich in 20 Fällen die akute Situation binnen Stunden entwickelte. Dem gegenüber stehen an elektiven Operationen 11 Dünndarmeingriffe, 11 Coloneingriffe und 4 Mageneingriffe. In 22 Familien wurde eine regel mäßige Vorsorge durchgeführt während in 23 Familien keine oder nur sehr unregelmäßige Kontrollen erfolgten. Bei 13 Patienten aus 10 Familien fanden sich 15 Malignome: 5 Pankreas-, 2 Brust-, 2 CUP, 2 Dünndarm-, und je ein Colon-, Lungen- und Magen-Ca sowie eine Leukämie. 10 Patienten sind bereits am Malignom verstorben mit einem mittleren Todesalter von 45 Jahren. In 35 Familien traten bislang keine Tumore auf. Hinweise auf eine Genotyp-Phänotyp Korrelation im Sinne einer innerfamiliären Uniformität der Krankheitsausprägung konnten nicht gefunden werden. Zusammenfassungg:Die Vorsorge bei Peutz-Jeghers Syndrom verfolgt zwei Ziele: 1.) Vermeidung von Notfällen durch die Polyposis mit Verlust von Darmlänge. Dies ist durch Kontrolle und prophylaktische Entfernung großer und symptomatischer Polypen, ggf. auch durch Operation, erreichbar. Hier stehen auch neueste Diagnoseverfahren wie Sellink-MRT oder Kapselendoskopie zu Verfügung. 2.) Früherkennung von Malignomen. Die breite Streuung der Malignome macht Untersuchungen des GI-Traktes, des Pankreas und der gynäkologischen Organe erforderlich. Die Mutationsdiagnostik kann bislang den Krankheitsverlauf nicht vorhersagen und dient nur der präsymptomatischen Diagnose von Risikopersonen. Ein Vorsorgeplan wird präsentiert.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002

Authors and Affiliations

  • T. Vogel
    • 1
  • V. Schumacher
    • 2
  • B. Leube
    • 2
  • G. Möslein
    • 1
  • B. Royer-Pokora
    • 2
  • H.-D. Röher
    • 1
  1. 1.Klinik für Allgemein- und UnfallchirurgieGermany
  2. 2.Institut für Anthropologie und HumangenetikUniversitätsklinikum DüsseldorfDüsseldorfGermany

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