Digitale Revolution in der Chirurgie pp 776-776 | Cite as
Konzept der Defektdeckung bei offenliegender Kniegelenksendoprothese
Zusammenfassung
Die implantierte Kniegekenksendoprothese mit fehlender Weichteildeckung stellt eine große Herausforderung an die Sanierung und Defektdeckung dar. Bedingt durch den anteromedialen und / oder medianen Zugang zum Knie, finden sich die Weichteildefekte überwiegend parapatellar. Allschichtige Weichteildefekte führen zu sekundären Protheseninfektionen. Die interdisziplinäre Therapie dieser schwierigen Ausgangssituation beinhaltet das radikale Debridement mit Synovektomie und die Defektdeckung mittels Muskellappenplastik. Die gestielte M. gastrocnemius Lappenplastik ist auf Grund der Größe, Ausdehnung, variantenarmen Gefäßversorgung und der gelenknahen Lokalisation des Stieles als Muskellappenplastik der ersten Wahl anzusehen. Material und Methode: In den letzten zwei Jahren wurden 13 Patienten (6 Männer, 7 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 57 Jahren mittels M. gastrocnemius Lappenplastik versorgt. Es wurden Defekte unterschiedlicher Äthiologie therapiert. Das Indikationsspektrum betraf offenliegende oder infizierte Endoprothesen, Weichteildefekte und Fisteln bei Osteitis und unzureichend konsolidierter Fraktur, Band- und Sehnendefekte im gesamten Kniegelenksbereich und die Defektdeckung nach extremitätenerhaltener Tumorchirurgie. Die operative Therapie erfolgte jeweils mittels einer individuell und patientengerecht angepaßten Lappenplastik des M. gastrocnemius. Ergebnisse: Bis zum Erreichen eines sauberen Wundgrundes wurde in 7 von 13 Fällen ein serielles Debridement durchgeführt. Die Defektdeckung erfolgte jeweils mit der gestielten M. gastrocnemius Lappenplastik. Wir verwendeten einmal den lateralen Kopf, einmal beide Köpfe und 11mal den medialen Kopf des M. gastrocnemius. In alle Fällen konnten durch das operative Verfahren ein stabiler plastischer und funktioneller Defektverschluß erreicht werden. Schluβfolgerung: Es bestehen vielseitige Anwendungsmöglichkeiten des M. gastrocnemius Lappens. Auf Grund der Vielseitigkeit der Anwendungsmöglichkeiten des M. gastrocnemius Lappens lassen sich durch Desinsertion, Scarifizierung der Muskelaponeu-rose, Verlängerung des Lappens unter Mitnahme des distalen Sehnenspiegels, sowie durch Erweiterung des myocutanen Areals weit mehr Defekte als ursprünglich 1970 von Mc Craw beschrieben decken. Zudem können Defekte der Band- und Sehnenstrukturen im Bereich des Knies funktionell ersetzt werden.