Ileusprophylaxe durch Fibrinplikatur bei Rezidivlaparotomien

  • S. Holland-Cunz
  • A. Boelter
  • K. L. Waag
Conference paper
Part of the Deutsche Gesellschaft für Chirurgie book series (DTGESCHIR, volume 2002)

Zusammenfassung

Nach rezidivierenden Laparotomien im Kindesalter mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Ausbildung von Adhäsionen oder Briden wurde bei 75 Patienten in den vergangenen 10 Jahren eine Plikatur des Dünndarmes durchgeführt. Die durch den Chirurgen vorgegebene Anordnung des Dünndarmes wurde mit Fibrinkleber (Tissucol-Firma: Immuno/Baxter) fixiert. Die Studie untersucht retrospektiv die Indikationen zur Fibrin-plikatur, die Früh- und Spätergebnisse. Material und Methoden: In 60 Fällen waren die Einschlusskriterien für die Studie erfüllt und die Dokumentationen so vollständig, daß sie in die Erhebung aufgenommen werden konnte. 57 der Patienten konnten mit einem Fragebogen angeschrieben werden und hiervon antworteten inklusive der telefonisch kontaktierten Patienten ca. 85%. Die Parameter wurden nach präoperativen Daten, wie den Grunderkrankungen, den Indikationen zur Laparotomie, den Vor-Operationen, sowie intraoperativen Daten, wie Op-Zeiten, Blutverlust und dokumentierten Besonderheiten, und schließlich nach früh-, sowie spätpostoperativen Daten, wie den Ergebnisse der aktuellen Befragung sortiert. Die Daten wurden der medizinisch statistischen Abteilung im eigenen Hause vorgelegt und auf signifikante Unterschiede untersucht. Ergebnisse: 37% der Patienten, die eine Fibrinplikatur erhielten, waren ehemalige Frühgeborene. Im Durchschnitt waren die Kinder zum Zeitpunkt der Operation knapp drei Jahre alt (zwischen 1,5 Monaten und 11 Jahren). Bei 59 Kindern handelte es sich um einen Wiederholungseingriff, lediglich einmal wurde bei der ersten Laparotomie eine Fibrinplikatur vorgenommen. Die Anzahl der Vor Operationen variierte von einer bis zu maximal sechs Laparotomien, die dem, für diese Untersuchung dokumentierten und ausgewerteten Eingriff vorausgingen. In 17% der Patienten war bereits während einer Vor Operation mit Fibrin plikiert worden, zwei dieser Patienten waren bereits zweimal während wiederholter Laparotomien mit dieser Technik versorgt worden. Die Grunderkrankungen waren sehr vielfältig, in 13% handelte es sich um eine Omphalozele/ Gastroschisis, in 11% um eine Nekrotisierende Enterocolitis, in 10% war eine Dünndarm-atresie beschrieben, in 10% ein Mekoniumileus, und andere. Zusammenfassungg: Eine Relaparotomie aufgrund eines Ileusrezidivs war postoperativ nach erfolgter Fibrinplikatur lediglich bei 5% der Kinder notwendig gewesen. Verglichen mit den Beobachtungen anderer Studien konnte die Relaparotomiequote deutlich (um 50%) gesenkt werden. Die Fibrinplikatur ist ein sicheres Verfahren zur Adhäsionsprophylaxe nach Laparotomie. Dem Dünndarm wird durch die vorgegebene Lageanordnung und die temporäre Fixierung mit Fibrinkleber eine optimierte Vorraussetzung für das Wiederingangkommen der Peristaltik gegeben, sowie eine Bridenprophylaxe gewährleistet.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002

Authors and Affiliations

  • S. Holland-Cunz
    • 1
  • A. Boelter
    • 1
  • K. L. Waag
    • 1
  1. 1.KinderchirurgieUniversitätsklinikum MannheimMannheimGermany

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