Zusammenfassung
Bevor wir auf konstruktive Einzelheiten von Wasserrohrkesseln eingehen, sind einige allgemeine Bemerkungen zweckmäßig, die Anfängern viel unnützes Kopfzerbrechen und Ingenieuren, die bereits über praktische Erfahrungen verfügen, manche Fehlschläge und Umwege ersparen können. Erstes Ziel aller Kesselbauer sollte es sein, möglichst leistungsfähige Kessel mit einem möglichst geringen Aufwand an Arbeit, Material und Geld zu bauen, damit ihre Vorteile einer möglichst großen Zahl von Menschen zugute kommen können. In diesem Bemühen findet letzten Endes alle Ingenieurtätigkeit ihre eigentliche Begründung und Rechtfertigung. Die Wissenschaft ist einer der wertvollsten Helfer des Kesselingenieurs, wenn er sie richtig gebraucht und von ihr nicht mehr verlangt, als sie billigerweise leisten kann. Sie ist aber nur eines unter den vielen von ihm benötigten Hilfsmitteln. Ein Übermaß von Wissenschaft schadet daher oft ebenso sehr wie ihre Mißachtung. Letzten Endes hängt die Bewährung eines Kessels immer davon ab, ob er im praktischen Betriebe gut arbeitet, und nicht davon, ob er mit gewissen „wissenschaftlichen Theorien“ übereinzustimmen scheint, oder ob sein Konstrukteur dem „wissenschaftlichen Prinzip“, von dem er bei seinem Entwurf ausgegangen war, „treu blieb“. Starres Beharren auf gewissen theoretischen Überlegungen kann deshalb so verhängnisvoll werden, weil sie oft auf umständlichen und schwierigen mathematischen Ableitungen beruhen und auch ein tüchtiger Mensch nicht immer rechtzeitig zu erkennen vermag, ob die mathematische Ableitung mit dem wirklichen Vorgang übereinstimmt. Ähnlich wie ein Mensch ohne Taktgefühl nie ein vornehmer Mann werden kann, selbst wenn er den „Knigge“ auswendig gelernt hätte, kann aus einem Ingenieur ohne ein gewisses konstruktives Gefühl nie ein guter Kesselbauer werden. Im übrigen ist bei mancher schwerwiegenden Entscheidung das Sprichwort „Probieren geht über Studieren“ noch immer der beste Ratgeber.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.