Dampfkraft pp 519-537 | Cite as

Zu neuen Ufern

  • Friedrich Münzinger

Zusammenfassung

Die jährliche Stromerzeugung Deutschlands in öffentlichen und industriellen Kraftwerken war von rd. 1.0 Milliarden kWh im Jahre 1918 auf rd. 50 Milliarden kWh im Jahre 1938 angestiegen. Der jährliche Stromverbrauch im Jahre 1938 in der UdSSR., den US. und der ganzen Welt kann zu etwa 48, 190 und 450 Milliarden kWh veranschlagt werden und hat seither noch erheblich zugenommen. Das außerordentliche Anwachsen der Erzeugung mechanischer Arbeit in den letzten 150 Jahren findet seinen sinnfälligsten Ausdruck im Ansteigen der Weltgewinnung an Steinkohle von 12 Millionen t im Jahre 1800 auf etwa 1300 Millionen t im Jahre 1948. Wenngleich diese Zahlen nur rohe Zirkawerte sind, so machen sie doch die zunehmende Besorgnis vieler Menschen um eine in nicht allzu ferner Zeit eintretende Erschöpfung unserer Vorkommen an natürlichen Brennstoffen begreiflich, zumal Kohle seit etwa 30 Jahren in steigendem Maße auch als Ausgangsprodukt für zahlreiche chemische Produkte und für Kunststoffe benutzt wird. Zweifellos gibt es noch große unbekannte und beträchtliche bekannte Kohlenreserven, weil man mit zunehmender Kohlenknappheit auf der einen und Vervollkommnung der bergbaulichen Verfahren auf der anderen Seite im Laufe der Zeit aus uns heute noch verschlossenen Tiefen wird fördern können. Wenngleich die Welt heute drückendere Sorgen hat als die Furcht vor einer baldigen Erschöpfung der Kohlenvorkommen, so wird man doch jedes Mittel willkommen heißen, das geeignet erscheint, die Kohlenvorräte soviel wie möglich zu „strecken“ und mit aus diesem Grunde hat die Energieerzeugung durch Atomspaltung auch unter Nichttechnikern so großes Interesse hervorgerufen. Bemerkenswert aber ist, daß der Antrieb, der die technische Lösung dieses schwierigen Problems in sichtbare Reichweite gerückt hat, nicht von schöpferischen Kräften, d. h. den Kreisen der Energiewirtschaft, sondern von militärischen Erwägungen und Forderungen ausging, d. h. von Kräften, deren Ziel letzten Endes auf Zerstörung gerichtet ist. Die Atomkraftgewinnung hängt aber mit Dampfturbinen und Gasturbinen so eng zusammen und stellt dem Wärmekraftmaschinenbau so viele neue Aufgaben, daß dieses Buch nicht an ihr vorübergehen kann. Den etwaigen Einwand, die Zeit hierfür sei verfrüht, würde schon die Tatsache hinfällig machen, daß noch beim Erscheinen der letzten Auflage dieses Buches auch erfahrene Ingenieure nicht damit gerechnet hätten, daß die Gasturbinen bereits 10 bis 15 Jahre später Dampfturbinen würden ernstlich Konkurrenz machen können.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1949

Authors and Affiliations

  • Friedrich Münzinger
    • 1
  1. 1.DahlemDeutschland

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