Gesammelte Abhandlungen ƶur Vererbungswissenschaft aus Periodischen Schriften 1899–1924 pp 849-879 | Cite as
Ein Fall experimenteller Verschiebung des Geschlechtsverhältnisses
Zusammenfassung
Die Untersuchungen des letzten Jahrzehntes haben gelehrt, daß die Geschlechtsbestimmung getrenntgeschlechtiger Arten zumeist so erfolgt: Das eine Geschlecht, meist das weibliche, bildet einerlei Keimzellen mit derselben, bestimmten Geschlechtstendenz1), es ist homogametisch (R. Hertwig). Das andere Geschlecht, meist das männliche, bringt zweierlei Keimzellen hervor, die sich irgendwie, in der Art oder in der Stärke ihrer ebenfalls bestimmten Geschlechtstendenz unterscheiden; es ist heterogametisch. Von diesen Keimzellen läßt die eine Sorte nach der Befruchtung die Tendenz der Keimzellen des einen Geschlechtes unverändert, so daß wieder Individuen des homogametischen Geschlechtes entstehen. Die zweite Sorte ändert dagegen nach der Befruchtung die Tendenz der Keimzellen des einen (homogametischen) Geschlechtes so ab, daß Individuen des eigenen heterogametischen Geschlechtes hervorgehen. Wie das im einzelnen geschieht, ist für uns hier belanglos. Wir können, ohne uns auf irgendeine Theorie festzulegen, die eine Sorte Keimzellen „Männchenbestimmer“, die andere „Weibchenbestimmer“ nennen.
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