Ein Fall experimenteller Verschiebung des Geschlechtsverhältnisses

  • Carl E. Correns

Zusammenfassung

Die Untersuchungen des letzten Jahrzehntes haben gelehrt, daß die Geschlechtsbestimmung getrenntgeschlechtiger Arten zumeist so erfolgt: Das eine Geschlecht, meist das weibliche, bildet einerlei Keimzellen mit derselben, bestimmten Geschlechtstendenz1), es ist homogametisch (R. Hertwig). Das andere Geschlecht, meist das männliche, bringt zweierlei Keimzellen hervor, die sich irgendwie, in der Art oder in der Stärke ihrer ebenfalls bestimmten Geschlechtstendenz unterscheiden; es ist heterogametisch. Von diesen Keimzellen läßt die eine Sorte nach der Befruchtung die Tendenz der Keimzellen des einen Geschlechtes unverändert, so daß wieder Individuen des homogametischen Geschlechtes entstehen. Die zweite Sorte ändert dagegen nach der Befruchtung die Tendenz der Keimzellen des einen (homogametischen) Geschlechtes so ab, daß Individuen des eigenen heterogametischen Geschlechtes hervorgehen. Wie das im einzelnen geschieht, ist für uns hier belanglos. Wir können, ohne uns auf irgendeine Theorie festzulegen, die eine Sorte Keimzellen „Männchenbestimmer“, die andere „Weibchenbestimmer“ nennen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. E. Auerbach, 1912. Das wahre Geschlechtsverhältnis des Menschen. Archiv f. Rassen-u. Gesellschaftsbiologie IX, S. 10.Google Scholar
  2. F. Baltzer, 1914. Die Bestimmung des Geschlechts nebst einer Analyse des Geschlechtsdimorphismus bei Bonellia. Mitteil. Zool. Stat. Neapel Bd. 22, S. 1.Google Scholar
  3. E. Baur, 1912. Ein Fall von geschlechtsbegrenzter Vererbung bei Melandrium album. Zeitschr. f. indukt. Abstamm. u. Vererbungslehre VIII, S. 335.Google Scholar
  4. G. Brunelli, 1915. La determinazione del sesso studiata nell’economia della specie. Racolta di memorie biologiche n.° 1, Roma.Google Scholar
  5. C. Correns, 1900. Über den Einfluß, welchen die Zahl der zur Bestäubung verwendeten Pollenkörner auf die Nachkommenschaft hat. Ber. d. Deutsch. Botan. Gesellsch. XVIII, S. 422, G. A. 4, 42.Google Scholar
  6. C. Correns, 1902. Scheinbare Ausnahmen von der MENDEL’schen Spaltungsregel für Bastarde Ber. d. Deutsch. Botan. Gesellsch. XX, S. 159, G. A. 9, 287.Google Scholar
  7. C. Correns, 1905. Gregor Mendels Briefe an Carl Nägeli 1866–1873. Abhandl. d. K. S. Gesellsch. d. Wissensch., math.-phys. Kl. XXIX, I II, G. A. Anhang.Google Scholar
  8. C. Correns, 1907. Die Bestimmung und Vererbung des Geschlechts. Berlin.Google Scholar
  9. C. Correns, 1908. Die Rolle der männlichen Keimzellen bei der Geschlechtsbestimmung der gynodiözischen Pflanzen. Ber. d. Deutsch. Botan. Gesellsch. XXVIa, S. 686; G. A. 29, 598.Google Scholar
  10. C. Düsing, 1884. Die Regulierung des Geschlechtsverhältnisses. Jenaer Zeitschr. f. Naturwissensch. X VII, N. F. X. Zitiert nach dem Sonderabzuge.Google Scholar
  11. Girou de Buzareingues, 1831. Suites des Expériences sur la Génération des Plantes. Ann. Sc. Natur. XXIV, S. 138.Google Scholar
  12. Girou de Buzareingues, 1833. Expériences sur la Génération des Plantes. Ebenda XXX, S. 398.Google Scholar
  13. R. Goldschmidt, 1916. A preliminary report on further experiments in inheritance and determination of Sex. Proc. Nat. Acad. of Sciences 2, S. 53.CrossRefGoogle Scholar
  14. F. Heyer, 1884. Untersuchungen über das Verhältnis des Geschlechts bei einhäusigen und zweihäusigen Pflanzen. Ber. d. landw. Instit. d. Univ. Halle, V. Heft.Google Scholar
  15. H. Hoffmann, 1871. Zur Geschlechtsbestimmung. Botan. Zeitung Bd. 29, Sp. 81.Google Scholar
  16. W. Johannsen, 1913. Elemente der exakten Erblichkeitslehre. II. Aufl., Jena. Die I. Auflage erschien 1909.Google Scholar
  17. Fritz Lenz, 1912. Idioplasmatische Ursachen der Sexualcharaktere des Menschen. Archiv f. Rassen-u. Gesellschaftsbiologie IX, S. 545.Google Scholar
  18. H. Vox Maisen, 1906. Geschlechtsbestimmende Einflüsse und Eibildung des Dinophilus apatris. Archiv f. mikr. Anat. u. Entwicklungsgesch. Bd. 69.Google Scholar
  19. J. C. H. de Meijere, 1911. Über getrennte Vererbung der Geschlechter. Archiv f. Rassen-u. Gesellschaftsbiologie VIII, S. 553.Google Scholar
  20. S. Newcomb, 1904. A Statistical Inquiry into the Probability of Causes of the Production of Sex in Human Offspring. Carneg. Inst. of Washington, Publ. No. 11.Google Scholar
  21. A. Sprecher, 1913. Recherches sur la variabilité des sexes chez Cannabis sativa L. et Rumex Acetosa L. Ann. Sc. Natur. Botan. 9“ série, XVII, S. 254.Google Scholar
  22. E. Strasburger, 1900. Versuche mit diözischen Pflanzen in Rücksicht auf Geschlechtsverteilung. Biol. Centralbl. XX, S. 657.Google Scholar
  23. W. Schleip, 1912. Geschlechtsbestimmende Ursachen im Tierreiche. Ergebn. u. Fortschritte d. Zoologie III, 3, S. 165.Google Scholar
  24. G. H. Snull, 1910. Inheritance of Sex in Lychnis. Botan. Gaz. IL, S. 110.Google Scholar
  25. G. H. Snull, 1911. Reversible Sex-mutants in Lychnis dioica. Botan. Gaz. LII, S. 329.Google Scholar
  26. G. H. Snull, 1914. Sex-limited inheritance in Lychnis dioica. Zeitschr. f. indukt. Abstamm. u. Vererbungslehre XII, S. 265.Google Scholar
  27. M. Vaerting, 1917. Der Männermangel nach dem Kriege. Der Arzt als Erzieher, Heft 40.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1924

Authors and Affiliations

  • Carl E. Correns

There are no affiliations available

Personalised recommendations