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Von den Schwierigkeiten der ausschließlichen Anwendung des disziplinierten Denkens

  • E. Bleuler

Zusammenfassung

Eine strenge Durchführung der Grundsätze des disziplinierten Denkens und namentlich ein Verzicht auf Handeln überall da, wo man nicht genügende Anhaltspunkte zu annähernd sicheren Grundlagen der Therapie haben kann, ist selbstverständlich in der Medizin ausgeschlossen. Eine Hypothese, die sich gelegentlich dem Forscher auf einem andern Gebiete aufdrängt, kann er ohne weiteres unterdrücken, wenn sie ihm nicht genügend Wahrscheinlichkeits- oder heuristischen Wert hat. Wenn man dem Techniker den Auftrag gibt, ein Schiff von der und der Tragkraft, einem bestimmten Tiefgang und bestimmter Schnelligkeit zu bauen, so macht er sich, falls die Lösung der Aufgabe ihm nicht undenkbar erscheint, daran, berechnet, probiert, und der Auftraggeber hat zu warten, bis das Problem gelöst ist, unter Umständen generationenlang. Dem Kranken aber muß der Arzt, ob die technischen und materiellen Hilfsmittel genügen oder nicht, sofort sein Schiff herstellen, womit man nun versucht zu fahren — oft auf gut Glück hin. Die Versicherung berechnet ihre Wahrscheinlichkeiten und fährt dabei gut, denn die Abweichungen beim einzelnen gleichen sich für sie aus, und der Versicherte will ja gerade für Ausnahmefälle gedeckt sein. Der Arzt aber hat es mit dem einzelnen Kranken zu tun; für ihn haben in erster Linie die Einzelchancen Bedeutung.

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© Springer-Verlag oHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1962

Authors and Affiliations

  • E. Bleuler

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