Zur Chemie des Befruchtungsvorganges

  • Jacques Loeb

Zusammenfassung

Wenn wir die Frage aufwerfen, welche Erscheinung am charakteristischsten für das Leben ist, so müssen wir unbedingt die Antwort geben, daß das die Fortpflanzung und Kontinuität der Organismen ist; denn wie auch sonst die höheren und niederen Formen sich unterscheiden mögen, in diesem einen Umstand stimmen sie alle überein. Bei höheren Organismen entsteht nach der Befruchtung aus den Keimzellen ein neuer Organismus, der den Eltern gleicht, und wieder Keimzellen bildet, welche wieder befruchtet werden usf. Bei niederen Formen ist der Vorgang dahin vereinfacht, daß eine Teilung stattfindet, daß jeder Teil durch Nahrungsaufnahme wächst, und daß dann wieder eine Teilung stattfindet usf. Wenn wir uns also die Aufgabe stellen wollten, lebende Organismen künstlich herzustellen, so müßte, wie mir scheint, der Angriffspunkt für die Lösung dieses Problems in der Analyse desjenigen Vorgangs liegen, welcher das ruhende Ei vom latenten zum aktiven Leben erweckt, nämlich des Befruchtungsvorganges. Tritt kein Spermatozoon in das Ei, so geht es in der Mehrzahl der Fälle rasch zugrunde; tritt ein Spermatozoon in dasselbe, so wird damit nicht nur die Anregung zur Entwicklung des individuellen Eies, sondern einer unbegrenzten Reihe von Generationen gegeben, bis äußere Umstände die Art zerstören. Der Befruchtungsvorgang kann in der Tat als ein schöpferischer Akt angesehen werden.

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Copyright information

© Professor Jacques Loeb, Berkeley, Ca. 1909

Authors and Affiliations

  • Jacques Loeb
    • 1
  1. 1.University of CaliforniaBerkeleyUSA

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