Zur Chemie des Befruchtungsvorganges
Zusammenfassung
Wenn wir die Frage aufwerfen, welche Erscheinung am charakteristischsten für das Leben ist, so müssen wir unbedingt die Antwort geben, daß das die Fortpflanzung und Kontinuität der Organismen ist; denn wie auch sonst die höheren und niederen Formen sich unterscheiden mögen, in diesem einen Umstand stimmen sie alle überein. Bei höheren Organismen entsteht nach der Befruchtung aus den Keimzellen ein neuer Organismus, der den Eltern gleicht, und wieder Keimzellen bildet, welche wieder befruchtet werden usf. Bei niederen Formen ist der Vorgang dahin vereinfacht, daß eine Teilung stattfindet, daß jeder Teil durch Nahrungsaufnahme wächst, und daß dann wieder eine Teilung stattfindet usf. Wenn wir uns also die Aufgabe stellen wollten, lebende Organismen künstlich herzustellen, so müßte, wie mir scheint, der Angriffspunkt für die Lösung dieses Problems in der Analyse desjenigen Vorgangs liegen, welcher das ruhende Ei vom latenten zum aktiven Leben erweckt, nämlich des Befruchtungsvorganges. Tritt kein Spermatozoon in das Ei, so geht es in der Mehrzahl der Fälle rasch zugrunde; tritt ein Spermatozoon in dasselbe, so wird damit nicht nur die Anregung zur Entwicklung des individuellen Eies, sondern einer unbegrenzten Reihe von Generationen gegeben, bis äußere Umstände die Art zerstören. Der Befruchtungsvorgang kann in der Tat als ein schöpferischer Akt angesehen werden.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- 1).Loeb, Untersuchungen zur künstlichen Parthenogenese. Leipzig 1906. S. 382–483.Google Scholar
- 2).Godlewski, Arch. f. Entwicklungsmechanik 20, 579, 1906.CrossRefGoogle Scholar
- 3).Kupelwieser, Biolog. Centralbl. 26, 744, 1906.Google Scholar
- 4).Loeb, Arch. f. Entwicklungsmechanik 26, 476, 1908.CrossRefGoogle Scholar
- 1).Loeb, Die physiologischen Wirkungen des Sauerstoffmangels, Pflügers Arch. 62, 249, 1895.CrossRefGoogle Scholar
- 2).Godlewski, Die Einwirkung des Sauerstoffs auf die Entwicklung von Rana usw., Arch. f. Entwicklungsmechanik 11, 585, 1901.CrossRefGoogle Scholar
- 2).Loeb, Über den chemischen Charakter des Befruchtungs Vorgangs, Biochem. Zeitschr. 1, 183, 1906.Google Scholar
- 1).Loeb, Vorrede zu „Untersuchungen über künstliche Parthenogenese“. Leipzig 1906.Google Scholar
- 2).O. Warburg, Zeitschr. f. physiol. Chem. 57, 6, 1908.CrossRefGoogle Scholar
- 3).Wolfg. Ostwald, Biochem. Zeitschr. 6, 409, 1907.Google Scholar
- 1).Moritz Traube, Gesammelte Abhandlungen. Berlin 1899. S. 148.Google Scholar
- 2).Loeb, Versuche über den chemischen Charakter des Befruchtungsvorgangs, Biochem. Zeitschr. 1, 183, 1906.Google Scholar
- 1).A. Kossel, Weitere Beiträge zur Chemie des Zellkerns, Zeitschr. f. physiol. Chem. 10, 248, 1886.Google Scholar
- 2).Tichomirow, Chemische Studien über die Entwicklung der Insekten-Eier, Zeitschr. f. physiol. Chem. 9, 518, 1885.Google Scholar
- 1).Loeb, Über die Ursachen der Giftigkeit einer reien Chlornatriumlösung und ihrer Entgiftung durch K und Ca. Biochem. Zeitschr. 2, 81, 1906.Google Scholar