Advertisement

Pädiatrie pp 152-155 | Cite as

Einfluss sozialer Faktoren auf Gesundheit und Entwicklung von Kindern

  • Hans Georg Schlack
  • Knut Brockmann
Chapter

Zusammenfassung

Bei fast allen Krankheitsbildern gibt es einen markanten sozialen Gradienten, d. h. ein steigendes Erkrankungsrisiko bei sinkendem Sozialstatus, auch in „entwickelten“ Staaten mit gut ausgebautem und sozial ausgleichendem Gesundheitswesen. So haben z. B. Erhebungen in England ergeben, dass in den 1990er Jahren noch immer die Säuglings- und Kindersterblichkeit sowie die Morbidität an vielen somatischen Krankheiten bei Kindern der untersten Sozialschicht im Durchschnitt etwa doppelt so hoch sind wie in der obersten Sozialschicht.

Im Vergleich dazu ist der soziale Gradient bei Störungsbildern der „neuen Morbidität“ (Abschn. 13.2) noch deutlich höher. Nach dem deutschen Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey (KiGGS), der endlich nun auch für Deutschland repräsentative sozialepidemiologische Daten erhoben hat, liegt die Risk Ratio sowohl für Verhaltensauffälligkeiten wie auch bei der Adipositas über 3. Das heißt: Das Erkrankungsrisiko ist bei Kindern der untersten gegenüber der obersten Sozialschicht um mehr als das Dreifache erhöht. Offensichtlich gibt es also einen ursächlichen Zusammenhang mit Lebensweltbedingungen, die in der unteren Sozialschicht gehäuft anzutreffen sind.

Literatur

  1. Antonovsky A (1987) Unraveling the mysteries of health. How people manage stress and stay well. Jossey-Bass, San Francisco (dt. erweiterte Ausgabe: A. Franke (Hrsg) (1997) Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. DVGT, Tübingen)Google Scholar
  2. Bergmann KE, Bergmann RL, Richter R, Finke C, Dudenhausen W (2009) Frühe Gesundheitsförderung und Prävention am Beginn des 20. und des 21. Jahrhunderts. Gesundheitswesen 71:709–721PubMedCrossRefGoogle Scholar
  3. Erhart M, Hölling H, Bettge S, Ravens-Sieberer U, Schlack R (2007) Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS): Risiken und Ressourcen für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitssschutz 50:800–809CrossRefGoogle Scholar
  4. Esser G, Laucht M, Schmidt MH (1994) Die Auswirkungen psychosozialer Risiken für die Kindesentwicklung. In: Karch D (Hrsg) Risikofaktoren der kindlichen Entwicklung. Steinkopff, Darmstadt, S 143–157CrossRefGoogle Scholar
  5. Hölling H, Erhart M, Ravens-Sieberer U, Schlack R (2007) Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 50:784–793CrossRefGoogle Scholar
  6. Hölling H, Schlack R (2008) Psychosoziale Risiko- und Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter – Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Gesundheitswesen 70:154–163PubMedCrossRefGoogle Scholar
  7. Kurth BM, Schaffrath Rosario A (2007) Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 50:736–743CrossRefGoogle Scholar
  8. Largo RH, Graf S, Kundu S, Hunziker U, Molinari L (1990) Predicting developmental outcome at school age from infant tests of normal, at-risk and retarded infants. Dev Med Child Neurol 32:30–45PubMedCrossRefGoogle Scholar
  9. Lupien SJ, King S, Meany MJ, McEwen BS (2000) Child’s stress hormone levels correlate with mother’s socioeconomic status and depressive state. Biol Psychiatry 48:976–980PubMedCrossRefGoogle Scholar
  10. Sameroff AJ, Seifer R (1983) Familial risk and child competence. Child Dev 54:1254–1268PubMedCrossRefGoogle Scholar
  11. Thyen U (2009) Vom biomedizinischen zum biopsychosozialen Verständnis von Krankheit und Gesundheit. In: Schlack HG, Thyen U, von Kries R (Hrsg) Sozialpädiatrie. Gesundheitswissenschaft und pädiatrischer Alltag. Springer, Berlin, S 12–23Google Scholar
  12. Walper S (1995) Kinder und Jugendliche in Armut. In: Bieback KJ, Milz H (Hrsg) Neue Armut. Campus, Frankfurt/Main, S 181–219Google Scholar
  13. Woodroffe C, Glickman M, Barker M, Power C (1993) Children, teenagers, and health. Open University Press, BuckinghamGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  • Hans Georg Schlack
    • 2
  • Knut Brockmann
    • 1
  1. 1.Klinik für Kinderheilkunde und JugendmedizinUniversitätsmedizin GöttingenGöttingenDeutschland
  2. 2.BonnDeutschland

Personalised recommendations