Fazit: Der deutsche und der türkische Diskurs im Vergleich
Zusammenfassung
Über den Dialog zwischen Orient und Okzident hat der deutsche Orientalist Navid Kermani geschrieben: „Während man jenseits des Bosporus und südlich von Gibraltar doch relativ gut und anhand von Originalquellen wahrnimmt, welche Themen und Gedankenströmungen Europas Geister bewegen (…), liegen dem Wissen selbst gebildeter Kreise im Westen über gegenwärtige Diskussionen in Kairo oder Beirut vereinzelte Artikel und Buchseiten über sie zugrunde, verfaßt von Berichterstattern, die sich schon aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse an der Materie überheben.“368 Die vorliegende Untersuchung kann bestätigen, was Kermani schreibt.369 In türkischen Zeitungen ist der Blick auf den Westen vielfach institutionalisiert; ganze Artikel aus europäischen und US-amerikanischen Blättern werden übersetzt und abgedruckt. Jedoch muss vor dem Hintergrund des Karikaturenstreits gesagt werden, dass die Verfolgung des westlichen Diskurses nicht zwangsläufig zu einem besseren Verständnis für die „Gegenseite“ führt. Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen hat gezeigt, dass sowohl in Deutschland als auch in der Türkei nationale Erzählungen weitergeführt werden und dass sich die Konfliktpartner nur selten auf die Argumente des Gegenübers eingelassen haben. Daher zieht diese Arbeit ein noch pessimistischeres Fazit als Kermani. Beide Diskurse monologisieren. Der deutsche Diskurs, der vielstimmiger war als der türkische, monologisierte in der Vielfalt. Die Diskurse gingen kaum ernsthaft auf den jeweils anderen ein, eine detaillierte Auseinandersetzung fand nicht statt. Einzige Ausnahme bilden die Bild-Zeitung und die Hürriyet.
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