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Public Value pp 141-154 | Cite as

Unterhaltungsqualität und Public Value

  • Bjørn von Rimscha
  • Miriam De Acevedo
  • Gabriele Siegert

Zusammenfassung

Die Ansichten darüber, was das Unterhaltungsfernsehen zu Public Value beitragen kann, gehen weit auseinander. Von den Rezipienten wird Unterhaltung genutzt, um in Phantasiewelten einzutauchen, die die Grenzen des Alltags aufheben. Der Zuseher kann sich „Wünsche und Bedürfnisse befriedigen, die ihm die alltägliche Lebenswelt mit ihren spezifischen Relevanzbereichen versagt“ (Stumm/Dorsch-Jungsberger 1996: 132). Je nach Weltanschauung kann diese Entspannung nun als funktional und gesellschaftlich gewünscht oder als dysfunktional und gesellschaftsschädlich angesehen werden. Die Diskussion um den Wert von Unterhaltung ist so alt wie das öffentliche Fernsehen. Lange bevor der Begriff Public Value als Beschreibung der eigenen Leistung in das Vokabular von Verantwortlichen bei Public-Service-Sendern aufgenommen wurde (vgl. Freedman 2008) wurde gestritten, was der Beitrag der Unterhaltung zum Auftrag der öffentlichen Sender sein könnte. So haben sich z. B. die Mainzer Tage der Fernsehkritik 1970 der Unterhaltung im Fernsehen gewidmet. Der damalige Geschäftsführer der Bavaria Studios propagierte eine paternalistische Meritorik (vgl. Erlei 1992) wenn er erklärt, es sei die Aufgabe der Programmverantwortlichen, das Publikum „daran zu hindern, das zu wollen, was seinem Nutzen, seiner Freiheit und seiner Orientierung in die Zukunft entgegensteht“ (Gottschalk 1971: 109). Scheuch (1971) dagegen glaubt nicht, dass der öffentliche Rundfunk durch ein erzieherisch gemeintes Unterhaltungsprogramm die Bedürfnisse des Publikums lenken könne.1 Entsprechend wundert er sich über damals unter Medienschaffenden populäre Forderungen, wonach der öffentliche Rundfunk sich als Anstalt zu Beförderung von Umstürzen verstehen sollte, indem die Rezipienten der Berieselung entrissen werden sollten.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

Authors and Affiliations

  • Bjørn von Rimscha
    • 1
  • Miriam De Acevedo
    • 2
  • Gabriele Siegert
    • 3
  1. 1.Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung, Abteilung Medienökonomie und Management.Universität Zürich (IPMZ)Zürich
  2. 2.Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung, Abteilung Medienökonomie und ManagementUniversität Zürich (IPMZ)Zürich
  3. 3.Publizistikwissenschaft, Instituts für Publizistikwissenschaft und MedienforschungUniversität Zürich (IPMZ).Zürich

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