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Bildung und soziale Anerkennung

Soziale Arbeit in der Ambivalenz zwischen sozialer Anpassung und Mündigkeit
  • Werner Thole
  • Holger Schoneville

Zusammenfassung

Zuweilen entsteht der Eindruck, Bildung hat erst in jüngster Zeit als eine zentrale Kategorie die Diskurse der Sozialen Arbeit erobert. Doch die mit dem Rückgriff auf die Kategorie Bildung aufgerufenen Intentionen finden schon in weiter zurückliegenden, sozialpädagogischen Ortsbestimmungen Aufmerksamkeit. (vgl. Sünker 1989, 2007; Rauschenbach 2009) Für die frühe, kritische Rezeption des Bildungsbegriffs durch die Sozialpädagogik steht unter anderem die »Einführung in die Sozialpädagogik« von Friedhelm Vahsen. F. Vahsen (1975, S. 13) stellte sich in seiner Einführung explizit dem Unternehmen, »den bildungspolitischen Standort der Sozialpädagogik zu lokalisieren«. An diese Standortbestimmung anknüpfend wird in dem Beitrag die Soziale Arbeit als ein Projekt vorgestellt, das auf eine theoretische Entfaltung des Bildungsbegriffs nicht verzichten kann und das in der Praxis selbst über die reflexive Ausgestaltung von Anerkennungsbeziehungen kontinuierlich daran interessiert ist, Bildungsprozesse zu initiieren und Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Familien und sozialen Gruppen die Erfahrung sozialer Anerkennung zu ermöglichen.

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Authors and Affiliations

  • Werner Thole
    • 1
  • Holger Schoneville
    • 1
  1. 1.Universität KasselKassel

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