Unpopulär aber ohne Alternative?

Dreier-Bündnisse als Antwort auf das Fünfparteiensystem
  • Niko Switek

Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel weicht etwas vom eigentlichen Schwerpunkt des Buches ab. Zwar bilden die im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 geführten Diskussionen über Dreier-Bündnisse als ein mögliches Ergebnis der Wahl den Ausgangspunkt der hier angestellten Überlegungen, im Mittelpunkt soll jedoch der Blick nach vorne stehen: Es wird der Frage nachgegangen, ob und in welcher Farbkombination die für die Bundesebene neuen Dreier-Koalitionen eine mögliche Antwort auf den Wandel des deutschen Parteiensystems bieten. Auch wenn die letzte Wahl ein klassisches Zweierbündnis aus Union und FDP hervorgebracht hat, sind entsprechende Koalitionsformate zukünftig schwerer zu erreichen. „Die kleine Koalition von 2009 (…) überbrückt die Zeit des Umbruchs in der deutschen Parteienlandschaft“ (Prantl 2009: 5; Jung/Schroth/Wolf i.d.B.). Mit der Etablierung der Linken hat sich das Spektrum der relevanten Parteien erweitert und Mehrheiten für die beiden gängigen Koalitionsmodelle Schwarz-Gelb und Rot-Grün sind schwerer zu erreichen. Dementsprechend charakterisiert Niedermayer die deutsche Parteienlandschaft als „fluides Fünfparteiensystem“ (Niedermayer 2008) und hebt die offene Wettbewerbssituation als zentrales Merkmal hervor. Die Parteien sind gezwungen, sich im Hinblick auf die Koalitionsbildung Gedanken über neue Partner und neue Modelle zu machen. Die 2005 zwischenzeitlich gegebene Antwort Große Koalition weckte weder bei den Wählern große Begeisterung, noch bei den beteiligten Partnern, da die offensichtlichen Profiteure des Bündnisses die – in der Folge gar nicht mehr so – kleinen Parteien waren. „Bunte Zweier- und Dreier- Koalitionen – von Jamaika (schwarz-gelb-grün) bis rot-rot-grün – sind unter den Bedingungen von Vielparteien-Parlamenten und zeitgleich immer weiter schrumpfenden Volksparteien die Zukunft“ (Korte/Fröhlich 2009: 94).

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  • Niko Switek

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