Die Norm, ihre unsichtbare Wirkungsweise, ein Anpassungsversuch und sein Preis – Heteronormativität in der slowakischen Gesellschaft am biografischen Beispiel
Zusammenfassung
Im Beitrag wird ein Normierungsprozess thematisiert, der fast unbemerkt abläuft, dafür aber umso nachhaltiger das gesamte gesellschaftliche Leben prägt: normative Heterosexualität. Ein Merkmal von Heteronormativität ist ihr Unmarkiert- Sein, denn durch Prozesse wie Naturalisierung und Verdrängung ins Unbewusste bei gleichzeitiger Institutionalisierung in wissenschaftlichen wie kulturellen Strukturen (vgl. N. Degele 2004) wird sie einerseits unsichtbar, ist andererseits jedoch sehr produktiv. Die so postulierte „Unentrinnbarkeit von Heterosexualität“ (T. de Lauretis 1996: 140) führt dazu, dass homosexuelle Identitäten auf diese symbolische Ordnung zwangsläufig Bezug nehmen, sowohl in der Abgrenzung als auch bei einer Anpassung. Damit beeinflusst die heterosexuelle Norm die Widerstandspotenziale ebenso wie die Gestaltungsmöglichkeiten des individuellen Lebens entscheidend (U. Hänsch 2003: 116). Indem der Blick gezielt auf die Produktivität der Norm innerhalb der von ihr „verworfenen“ (J. Butler 2004) Individuen gerichtet wird, kann der Frage nachgegangen werden, ob es überhaupt und, falls ja, welche Widerstandspotenziale und Gestaltungsmöglichkeiten es für Lebensentwürfe jenseits dieser Norm geben kann.
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