Wie konsistent sind Referenzgruppeneffekte bei der Vergabe von Schulformempfehlungen? Bundeslandspezifische Analysen mit Daten der IGLU-Studie

  • Anne Milek
  • Oliver Lüdtke
  • Ulrich Trautwein
  • Kai Maaz
  • Tobias C. Stubbe

Zusammenfassung

Zusammenfassung: Beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule handelt es sich im deutschen Schulsystem um eine frühe Weichenstellung, die mit einem weitreichenden Einfluss für die Bildungsbiografien von Schülerinnen und Schülern verbunden ist. Der vorliegende Beitrag geht erstens der Frage nach, inwiefern Schulformempfehlungen von Lehrkräften in einem systematischen Zusammenhang mit dem mittleren Leistungsniveau einer Klasse stehen, und untersucht zweitens, inwieweit Unterschiede in der Stärke dieser Referenzgruppeneffekte zwischen Bundesländern identifizierbar sind. Mithilfe von mehrebenenanalytischen logistischen Regressionsmodellen wurde anhand einer Teilstichprobe (4.589 Schüler aus 248 Klassen der 4. Jahrgangsstufe) des deutschen IGLU-E Datensatzes der Zusammenhang der von Grundschullehrern ausgesprochenen Schulformempfehlung und der mittleren Klassenleistung, vergleichend für die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und der Referenzgruppe (bestehend aus Schülerinnen und Schülern der Bundesländer Schleswig-Holstein, Sachsen, Saarland, Thüringen und Rheinland-Pfalz), untersucht. Es zeigte sich für die Teilstichprobe ein negativer Zusammenhang zwischen der mittleren Klassenleistung und der Übergangsempfehlung der Lehrkräfte, welcher über die Schulnoten mediiert wurde. Bundeslandunterschiede in der Größe der Referenzgruppeneffekte ließen sich nicht zufallskritisch absichern.

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  • Anne Milek
  • Oliver Lüdtke
  • Ulrich Trautwein
  • Kai Maaz
  • Tobias C. Stubbe

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