Das Bundeskanzleramt in der Organisationsanalyse: Informalität als Erfolgskriterium

  • Karl-Rudolf Korte

Zusammenfassung

Das Bundeskanzleramt markiert den Kern des exekutiven Regierens. Formale Hierarchie regelt den Organisationsablauf. Doch nicht erst aus dem Blickwinkel der Governance- Forschung sind die faktischen Organisationsabläufe mit den informalen Regelungs- und Steuerungsmustern zu konfrontieren. Für den jeweiligen Kanzler bedeutet dies, Entscheidungen unter den Bedingungen von Unsicherheit zu fällen, wobei formale und informale Organisationsabläufe die Entscheidungsfindung beeinflussen können. Unter den gegebenen Bedingungen knapper Ressourcen, konfligierender Interessenlagen und konkurrierender Akteure müssen fast im Minutentakt Entscheidungen gefällt werden, deren Effekte unklar bleiben. Klarer hingegen bleiben die Wege der Entscheidungsvorbereitung, wobei die kalkulierte Balance aus Formalität und Informalität aus Sicht des Spitzenakteurs zentral bleibt. Um erfolgreich steuern zu können, ist die politische Leitung unter anderem angewiesen auf eine so genannte Politikberatung von innen, welche der zuarbeitenden Administration obliegt. Wichtige Einflusspersonen sind dabei, wie der weitere Verlauf des Aufsatzes zeigen soll, Akteure mit Maklermacht im inneren Zirkel der politischen Führung. Ein wichtiger Umschlagplatz für einen notwendigen Wissenstransfer durch die Machtmakler sind beispielsweise die morgendlichen Lagebesprechungen im Kanzleramt. Spitzenakteure werden folglich nicht unerheblich zu ihren Führungsqualitäten hin geführt. Ihr professionelles Umfeld reduziert fortwährend und unermüdlich bestehende Unsicherheiten des Handelns, was zum Erfolg von politischer Führung dazugehört.

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Authors and Affiliations

  • Karl-Rudolf Korte

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