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Wahlen und Wähler

pp 328-345

Zur Sozialisation von Neuparlamentariern im 15. Deutschen Bundestag

  • Andreas M. Wüst

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In einer parlamentarischen Demokratie diskutieren und beraten für eine begrenzte Zeit gewählte Abgeordnete über politische Themen und treffen politische Entscheidungen, die Gesetzeskraft erlangen. Aus repräsentationstheoretischer Perspektive sollten sich Abgeordnete nach einer Wahl weiter mit den Problemen der Bürger beschäftigen und letztlich politische Entscheidungen treffen, die in deren Interesse sind (vgl. Pitkin 1967: 209). Um im Interesse der Bürger handeln zu können, bedarf es der Interaktion zwischen Repräsentanten und Repräsentierten (vgl. Patzelt 1993: 52), die durch das Vorhandensein unmittelbarer Kommunikation der Abgeordneten mit den Bürgern gefördert und durch ihr Fehlen erschwert wird (vgl. Weßels 1991). Bei der Wahl kommt Bürgernähe große Bedeutung zu.1 Doch was passiert danach? Für neu gewählte Abgeordnete werden plötzlich das Parlament, die eigene Fraktion und die parlamentarischen Ausschüsse wichtige Sphären politischer Kommunikation. Inwieweit bleiben Neuparlamentarier sich selbst und den Bürgern treu oder passen sich ihren Parteien und Fraktionen an und lassen damit möglicherweise das Volk sukzessive “hinter sich”? Welche Neuparlamentarier passen sich an und welche widerstehen etwaigem Konformitätsdruck?