„Politische Börsen haben kurze Beine“ lautet ein klassisches Investorensprichwort. Wie kurz (oder auch lang) diese Beine nun aber tatsächlich sind, wurde in dieser Arbeit systematisch für Deutschland untersucht. Wie der Literaturüberblick in Kapitel 2 deutlich macht, nimmt die vorgelegte Untersuchung dabei erstmalig die rationale Erwartungsbildung mit Bezug auf den Zusammenhang zwischen (Partei-)Politik und Aktienmarkt in Deutschland theoretisch und empirisch ernst. Ausgehend vom klassischen Parteiendifferenzmodell wurden in den empirischen Kapiteln beobachtbare Implikationen für die Entwicklung von verschiedenen Wirtschaftssektoren wie auch das systematische Kapitalmarktrisiko abgeleitet und diese Hypothesen einer empirischen Überprüfung zugeführt. Hiermit ergänzt die vorliegende Arbeit nicht nur den Wissensstand im Bereich der politischen Ökonomie von Aktienmärkten, sondern in ihrer Relevanz für Fragen nach der Bedeutung von Parteien in demokratischen Systemen im Zeitalter globalisierter Märkte auch den der Parteien- sowie der Demokratieforschung. Denn von allen Komponenten einer marktlichen Wirtschaftsordnung ist es wohl gerade der Aktienmarkt, der sich durch hohe Kapitalmobilität auszeichnet. Hier fällt es den Akteuren besonders leicht, sich den unliebsamen Restriktionen zu entziehen, die Politik den Unternehmen und somit auch deren Kapitaleignern, den Aktieninvestoren, auferlegt. Spielt unter diesen Bedingungen Politik – das erwartete parteipolitische Regierungsprofil, Wahlen, institutionellen Konfigurationen wie asymmetrische Kammermehrheiten – überhaupt noch eine Rolle für die Entwicklung der Börse und die dort notierten Unternehmen? Oder ist angesichts der „entgrenzten Ökonomie“ die Politik inzwischen bedeutungslos geworden?
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