Jugendhilfe und Schule pp 267-279 | Cite as
Geschlechtsbewusste Gewaltprävention- ein Qualitätsmerkmal in der Kooperation von Schule und Jugendhilfe
Auszug
Da sowohl Schule wie Jugendhilfe mit Mädchen und Jungen im Kinder- und Jugendalter arbeiten, liegt es auf der Hand, eine Verbesserung der Kooperation herbeizuführen, um die zugewiesenen gesellschaftlichen Aufgaben angemessen wahrnehmen zu können. Die Praxis der Zusammenarbeit dieser beiden Sozialisationsinstanzen sieht sich jedoch oftmals mit Schwierigkeiten konfrontiert, die u.a. historisch begründet sind. Denn mit der Einführung des ReichsWohlfahrtsgesetzes (1922) wurde in Deutschland inhaltlich und organisatorisch die Trennung von Schule und Jugendhilfe vollzogen. Einerseits bot sich für die Jugendhilfe hierdurch die Chance zur eigenen Entwicklung und Professionalisierung. Andererseits zeichneten sich jedoch schon bald eine teilweise Isolation und mangelnde Kooperation der beiden Bereiche ab, die bis heute zu einer anhaltenden und intensiven Fachdiskussion in Jugendhilfe und Schule geführt haben. In jüngerer Zeit wird allerdings zunehmend erkannt, welche Präventionspotenziale in der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe liegen und dass diese als Chance zur Annäherung der beiden Institutionen begriffen werden können. Deutlich wird, dass gelungene Kooperationen helfen können, die Lebensbedingungen für Mädchen und Jungen zu verbessern, um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. So gibt es deshalb z.B. im Land Niedersachsen bereits seit Mitte der 90er Jahre auf Landesebene konkrete Ansätze zur Verbesserung der Kooperation von Schule und Jugendhilfe. Ein Erlass von 1994 regelt die Zusammenarbeit von Schule, Jugendamt und freien Trägern der Jugendhilfe und auch im Niedersächsischen Schulgesetz wurde für die Lehrkräfte ein Zusammenarbeitsgebot verankert, dessen Entsprechung für die öffentliche Jugendhilfe sich bereits im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) befand.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- Bandura, Albert et al. (1963): Imitation of film-mediated aggressive models. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, Vol.66/1963. 11–31Google Scholar
- Bruhns, Kirsten/ Wittmann, Svendy (2002): Ich meine, mit Gewalt kannst du dir Respekt verschaffen. Mädchen und junge Frauen in gewaltbereiten Jugendgruppen. DJI-Reihe, Band 9. Opladen: Leske + BudrichGoogle Scholar
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (1999): Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. BonnGoogle Scholar
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (1999): Aktionsplande, Bundesheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. BerlinGoogle Scholar
- Connell, Robert W. (1997): Der gemachte Mann: Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Opladen: Leske + BudrichGoogle Scholar
- Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge (Hrsg.) (1997): Fachlexikon der sozialen Arbeit. Frankfurt am Main: EigenverlagGoogle Scholar
- Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V./Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Frauenhäuser (Hrsg.) (2002): Kinder leben im Frauenhaus. Konzepte-Perspektiven, StuttgartGoogle Scholar
- Enzmann, Dirk (2002): Ausmaß, Erscheinungsformen und Ursachen jugendlicher Gewaltdelinquenz. In: Gause/ Shäuser (Hrsg.) 7–35Google Scholar
- Frauen helfen Frauen e.V. Lübeck (Hrsg.) (2000): Bei aller Liebe… Gewalt im Geschlechterverhältnis. Eine Kongressdokumentation. Bielefeld: Kleine-VerlagGoogle Scholar
- Gause, Detlev/ Schlottau, Heike (Hrsg.) (2002): Jugendgewalt ist männlich-Gewaltbereitschaft von Mädchen und Jungen. Hamburg: EB-VerlagGoogle Scholar
- Henschel, Angelika (1993): Geschlechtsspezifische Sozialisation. Zur Bedeutung von Angst und Aggression in der Entwicklung der Geschlechtsidentität. Eine Studie im Frauenhaus. Mainz: Matthias-Grünewald-VerlagGoogle Scholar
- Henschel, Angelika (2002): Pädagogische Arbeit mit Kindern im Frauenhaus. In: Sozial Extra, Heft 4/2002. 30ff.Google Scholar
- Henschel, Angelika (Hrsg.) (2003): „Manchmal tut es weh, darüber zu reden…“ Kinder als Opfer häuslicher Gewalt-Ergebnisse eines Theorie-Praxis-Seminars. Dokumentation ohne ISBN. LüneburgGoogle Scholar
- Holtappeis, Heinz Günter/ Heitmeyer, Wilhelm et al. (Hrsg.) (1997): Forschung über Gewalt an Schulen. Weinheim und München: JuventaGoogle Scholar
- Hurreimann, Klaus/ Rixius, Norbert/ Schirp, Heinz et al. (1999): Gewalt in der Schule-Ursachen, Vorbeugung, Intervention. Weinheim und Basel: BeltzGoogle Scholar
- Kavemann, Barbara/ Kreyssig, Ulrike (Hrsg.) (2006): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt. Wiesbaden: VS-VerlagCrossRefGoogle Scholar
- Kindler, Heinz (2006): Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung: Ein Forschungsüberblick. In: Kavemann/Kreyssig (Hrsg.) (2006): 36–53Google Scholar
- Köckeritz, Christine (2002): Lebensumstände, Entwicklungen und Erfahrungen von Kindern aus Gewaltkontexten. In: Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V. (Hrsg.) (2002): 5ff.Google Scholar
- Netzwer G (Hrsg.) (2003): Kooperation von Schule und Jugendhilfe. Dokumentation zum 2. Niedersächsischen Präventionsmarkt. LüneburgGoogle Scholar
- Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit (Hrsg.) (2006): Aktionsplan II des Landes Niedersachsen zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen im häuslichen Bereich. HannoverGoogle Scholar
- Pfaffenberger, Hans (1997): Partizipation. In: Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge (Hrsg.) (1997): 691f.Google Scholar
- Pfeiffer, Christian/ Wetzels, Peter (1999): Zur Struktur und Entwicklung der Jugendgewalt in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B26/1999. 3–22Google Scholar
- Pfeiffer, Christian/ Wetzels, Peter (2000): Gewalt in der Familie. Mädchen werden Opfer wie die Mütter, Jungen werden Täter wie die Väter. In: Emma. Heft 11-12/2000. 46–47Google Scholar
- Schröttle, Monika/ Müller, Ursula (2004): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004)Google Scholar
- Schubarth, Wilfried (2000): Gewaltprävention in Schule und Jugendhilfe-Theoretische Grundlagen, Empirische Ergebnisse, Praxismodelle. Neuwied: LuchterhandGoogle Scholar
- Spitzer, Manfred (2005): Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. Stuttgart: Ernst-Klett-VerlagGoogle Scholar
- Spitzer, Manfred (2007): Lernen-Gehirnforschung und die Schule des Lebens. München: Spektrum Ak. VerlagGoogle Scholar
- Strasser, Philomena (2001): Kinder legen Zeugnis ab. Gewalt gegen Frauen als Trauma für Kinder. Innsbruck: Studien-VerlagGoogle Scholar
- Thiersch, Hans (2003): Was muss sich in Schule verändern und was kann Jugendhilfe dazu tun? In: Netzwer G (Hrsg.) (2003). 16–26Google Scholar