Das Konzept der Interkulturellen Waldorfschule

Auszug

Im einleitenden Kapitel ist die schwierige Situation von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem in ihren verschiedenen Facetten dargestellt worden. Dabei wurden auch schon sich aus dem pädagogischen Diskurs ergebende Empfehlungen formuliert, wie Schule mit dieser Herausforderung umgehen könne: Anstatt segregierend solle sie integrativ sein, die Lehrenden sollten den Blick weniger auf kulturelle Differenzen als auf die Individualität des Kindes richten, ohne allerdings die Chancen einer Bereicherung des Unterrichts durch kulturelle Vielfalt zu vernachlässigen, es sollten an der Schule ein gutes Sozialklima sowie vertrauensvolle Lehrer-Schüler und Lehrer-Eltern-Beziehungen herrschen, günstig seien Gesamt-und Ganztagsschulen. Nun mag auffallen, dass diese — allerdings recht allgemeinen — Charakteristika den Grundzügen des Profils der Waldorfschulen entsprechen, von denen es in Deutschland etwa 200, weltweit rund 1000 gibt. Umso erstaunlicher mag es zunächst erscheinen, dass die deutschen Waldorfschulen die Migrationsproblematik bisher kaum aufgegriffen haben. Zwar gibt es selbstverständlich an Waldorfschulen Migrantenkinder, doch stammen sie meistens aus denselben Milieus und sozialen Verhältnissen wie ihre deutschen Mitschüler, nämlich den mittleren und oberen Gesellschafts- schichten, dem „Bildungsbürgertum“ eben.120 Allerdings ist der Gerechtigkeit halber anzumerken, dass sich die Waldorfschulen der Migrationsthematik nicht aktiv entzogen oder verweigert haben; vielmehr haben relativ wenige Migrationskinder um Aufnahme gebeten.

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