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„Wo, wenn nicht in Köln?“ Zur Moscheebau-Berichterstattung des Kölner Stadtanzeigers

  • Andreas Lindner

Auszug

Mit dem Erscheinen des Buchs „Der Moscheestreit. Eine exemplarische Debatte über Einwanderung und Integration“ (Sommerfeld 2008) zieht der Kölner Stadtanzeiger (KStA) ein (positives Zwischen-) Fazit der gesellschaftlichen und medialen Auseinandersetzungen zum geplanten Bau der Ditib-Großmoschee in Köln-Ehrenfeld. Nach Einschätzung des KStA beschäftigte das Thema die Kölner Bevölkerung im Jahr 2007 wie kein zweites und hatte eine überlokale gesamtgesellschaftliche Relevanz. Ob die Moscheedebatte im Allgemeinen und die umfangreiche Berichterstattung des KStA im Besonderen so beispielhaft war wie Sommerfeld suggeriert, wird hier im Folgenden kritisch diskutiert. Aus der Perspektive der sozialwissenschaftlichen Rassismusforschung erscheint sie als beispielhaft im Sinne von typisch, jedoch nicht im Sinne von vorbildlich. So weist die Berichterstattung des KStA neben einigen positiven Anteilen sämtliche Problemfelder des medialen Diskurses über MigrantInnen bzw. Minderheiten auf — damit angefangen, dass die Zeitung eine stadtgesellschaftliche Sachfrage fast ausschließlich als kulturalistisch und national-ethnisch überformten Diskurs über Islam(ismus) und Integration deuten und darstellen konnte. Mit anderen Worten: Es ist kaum vorstellbar, dass etwa das Vorhaben des FC Köln, ein neues Stadion zu bauen, eine ähnlich strukturierte und polarisierte Debatte hervorrufen könnte. Im Kern ziehen sich durch die Beiträge des KStA drei kritikwürdige Diskursfragmente (vgl. Jäger 2004), die folgend näher analysiert werden:
  • Ein ethnisierender Wir-/Sie-Diskurs mit Überbetonung der positiven Eigenschaften der Mehrheitsgesellschaft und der negativen Eigenschaften der Minderheit (vgl. van Dijk 2006) bis hin zum Angstbild der „Parallelgesellschaft“.

  • Ein von einem kulturalistischen und deutschnationalen Verständnis von Integration überformter Diskurs über Integration und Islam/Muslime

  • Der Diskurs des Demokratie- und Säkularitätsdefizits von Muslimen bzw. „des Islam“

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Andreas Lindner
    • 1
  1. 1.Institut für Bildungsforschung und SozialwissenschaftenUniversität zu KölnKöln

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