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Soziales Handeln, Fremdverstehen und Handlungszuschreibung

  • Ingo Schulz-Schaeffer

Auszug

Eine der grundlegenden Bestimmungen der Handlungstheorie der phänomenologischen Soziologie besteht in der Aussage, der Handelnde sei »die letzte Instanz, die zu entscheiden hat, ob er in einem gegebenen Fall gehandelt hat oder nicht« (Schütz & Luckmann 1984: 18, vgl. ebd.: 15, 17, 113). Sie folgt aus der transzendental-phänomenologisch hergeleiteten Auffassung, dass Handeln der Vollzug zuvor entworfener Handlungen ist und deshalb nur der Handelnde die — durch seinen Entwurf konstituierte — Einheit seines Handelns mit Gewissheit kennen kann. Man müsse, so fahren Schütz und Luckmann in den entsprechenden Textpassagen der Strukturen der Lebenswelt fort, »sich aber beeilen, hinzuzufügen, daß dem Handelnden sein diesbezüglicher, letztinstanzlicher Charakter zwar grundsätzlich [...] zusteht« (ebd.: 15), nicht aber »dort, wo es praktisch darauf ankommt, nämlich in der alltäglichen Wirklich-keit« (ebd.): »Als praktisch gültige Instanz entscheiden die anderen, ob etwas eine Handlung war oder nicht« (ebd.: 18). Dies folgt aus der natürlich-phänomenologischen Analyse unter Einbeziehung der Vorgegebenheit eines gesellschaftlichen Wissensvorrats: »(E)s sind aber die anderen, die Mitmenschen, die aufgrund gesellschaftlich objektivierter, im sozialen Wissensvorrat abgelagerter Regeln typischen, beobachtbaren Verhaltensabläufen auch das typische Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein eines Ziels, eines Handlungsentwurfs zuordnen« (ebd.).

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Literatur

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Ingo Schulz-Schaeffer

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