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Kleine Anfragen: Funktionale Analyse einer parlamentarischen Praxis

  • Hans Mathias Kepplinger

Auszug

Die Medien besitzen einen zu großen Einfluss auf die Politik. Dies ist seit Jahrzehnten die Kernbotschaft der Befragung von Politikern. Die Kernbotschaft zeigt sich besonders deutlich beim Vergleich des Einflusses der Medien auf die Politik, den sie nach Einschätzung von Politikern tatsächlich besitzen und dem Einfluss, den sie nach ihrer Meinung haben sollten. Die erste derartige Befragung wurde bereits 1972 durchgeführt. Die Befragten konnten den tatsächlichen Einfluss u. a. der Medien auf die Politik anhand einer sechsstufigen Skala einschätzen, wobei niedrige Werte einen großen Einfluss anzeigen. Bereits damals schrieben die Politiker vor allem dem Fernsehen (2,4) und der Presse (2,5) einen gleich großen oder sogar größeren Einfluss auf die Politik zu als der Verwaltung (2,5), den Gewerkschaften (2,7) und der Wirtschaft (3,0). Übertroffen wurde der wahrgenommene Einfluss der Medien auf die Politik nur vom Einfluss der Bundesregierung (1,4) und der Parteien (1,4). Die Einschätzungen der Politiker entsprachen dabei weitgehend den Urteilen von Entscheidern in der Wirtschaft, der Verwaltung und den Gewerkschaften. Aus Sicht der Politiker war bereits 1972 der große Einfluss der Medien, und hier wiederum vor allem des Fernsehens, auf die Politik nicht wünschenswert. Über die Hälfte (57 %) waren der Meinung, das Fernsehen sollte „weniger Einfluss“ auf die Politik haben, mehr als ein Viertel (28%) wünschte dies auch von der Presse. Auch hierbei entsprachen die Sichtweisen der Politiker weitgehend den Sichtweisen der anderen Eliten.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Hans Mathias Kepplinger
    • 1
  1. 1.MainzDeutschland

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