Auszug
In den beiden vorausgehenden Kapiteln wurde — zunächst mit einer Begriffsanalyse, dann mit dem Vergleich zweier Theorien — der Gegenstand der Soziologie vom handelnden Individuum her bestimmt. Handeln umfasst mehr als den Gegenstandsbereich der Soziologie. Sofern die Soziologie sich mit dem Handeln der Menschen befasst, ist das Handeln ihr Gegenstand, das sich an Anderen orientiert, also das soziale Handeln. Aus der wechselseitigen Orientierung der Menschen aneinander können — wie die Analyse des Gefangenendilemmas es gezeigt hat — Kooperation und kollektives Handeln entstehen. Sie wiederum sind Grundlage für soziale Beziehungen, die als soziale Tatbestände vom Willen der einzelnen Person unabhängig sind. Die sozialen Beziehungen aber bilden die Gesellschaft, in der die Menschen miteinander handeln. Wenn man den Gegenstand der Soziologie vom handelnden Individuum her bestimmt, kann man also durchaus der Erfahrung „der Gesellschaft“ gerecht werden — der Tatsache also, dass andere meine Handlungsmöglichkeiten einschränken und ich mein Handeln an anderen orientieren muss. Im folgenden Kapitel soll geprüft werden, inwiefern „die Gesellschaft“ Gegenstand der Soziologie ist; die Erfahrung soll durch einen Begriff „der Gesellschaft“ präzisiert werden.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Lektüre
- Simmel (1908: Kapitel 1, vor allem Seite 1–21)Google Scholar
Lektüre
- Weber (1906)Google Scholar
Weiterführende Literatur
- Esser (1999: 266–275) erklärt den Zusammenhang zwischen Schicht und Schullaufbahnentscheidung der Eltern in einem formalen Modell mit Hilfe der Wert-Erwartungs-Theorie.Google Scholar
Lektüre
- Opp (1983: 60–70, 79–86, 205–229)Google Scholar
Lektüre
- Axelrod (1997: Kapitel 4)Google Scholar
Weiterführende Literatur
- Coleman (1990: Kapitel 10 und 11) gibt ähnlich wie Opp (1983) eine Erklärung für die Entstehung und Gültigkeit sozialer Normen durch die Internalisierung von Externalitäten.Google Scholar
- Ullmann-Margalit (1977) gibt ähnlich wie Axelrod (1997) eine Erklärung der Normentstehung mit Hilfe von Gefangenen-Dilemmata. — Ziegler (1984) beschreibt mit den Mitteln der Netzwerkanalyse (siehe Abschnitt 7.4), wie Normen soziale Geltung erlangen.Google Scholar
- Elias (1977: Erster Band, Zweites Kapitel) stellt dar, wie sich Normen des alltäglichen Umgangs historisch entwickelt haben.Google Scholar
- Voss (2001) stellt die spieltheoretischen Untersuchungen zur Genese von Normen zusammen.Google Scholar
Lektüre
- Weber (1980: Erstes Buch, Erstes Kapitel, § 4 für Regelmäßigkeiten des Handelns, § § 5–7 zur legitimen Ordnung)Google Scholar
Lektüre
- Weber (1980: Zweiter Teil, Erstes Kapitel, § 1)Google Scholar
Lektüre
- Weber (1980: Erster Teil, Erstes Kapitel, § § 10 und 12)Google Scholar
Lektüre
- Weber (1980: Erster Teil, Erstes Kapitel § 17)Google Scholar
Weiterführende Literatur
- Die Bedeutung des Gewaltmonopols für den Bestand eines Staates wird in Elias (1989: 282–295) am Beispiel der Weimarer Republik gezeigt, zu deren Auflösung die Anmaßung eines Gewaltmonopols durch die para-militärischen Organisationen der extremen Parteien beigetragen hat. In kulturvergleichender Perspektive wird das Gewaltmonopol des Staates von Cooney (1997) untersucht.Google Scholar
- Breuer (1998: 14–20, 293–300) stellt das Gewaltmonopol des Staates und die Möglichkeit seiner Verschiebung auf höhere Instanzen dar.Google Scholar