Theoriearbeit, Praxeologie und „Therapeutische Grundregel“

Zum transversalen Theoriegebrauch, kreativen Medien und methodischer und „sinnlicher Reflexivität“ in der Integrativen Therapie mit suchtkranken Menschen
  • Ilse Orth
  • Hilarion G. Petzold

Auszug

Der folgende Beitrag versteht sich als Rahmentext für praxeologisches Arbeiten in der „Integrativen Suchttherapie“, die in diesem Buch dokumentiert ist. Er will einige Grundprinzipien aufzeigen, die für integrativtherapeutisches Arbeiten als „biopsychosoziale Praxis“ (Petzold 1974j, 303ff, 2001a, Orth, Petzold 2000) insgesamt und spezifisch in der Behandlung von Suchtkranken (Petzold, Thomas 1994) charakteristisch sind, und die in allen Texten, die in diesem Buch zusammengetragen wurden, in der einen oder anderen Weise aufscheinen. Es handelt sich um folgende Prinzipien:
  1. 1.

    Integrative Therapie ist „theoriegeleitet“. Theorie als „mental durchdrungene, komplex betrachtete und erfaßte Wirklichkeit“ bestimmt auf dem Boden koreflexiver und diskursiver Auseinandersetzung die Interventionen und muß in der Praxis selbst zur Intervention werden.

     
  2. 2.

    Integrative Therapie ist im konkreten Vollzug „angewandte Theorie“, die sich in der Praxis und durch die Praxis immer wieder koreflexiv und ko-respondierend weiterentwickelt, eine transversale Qualität gewinnt, und sie ist in diesen Überschreitungen „Praxeologie“.

     
  3. 3.

    Integrative Therapie als Praxeologie ist „kreative Therapie“, die Theorien, Methoden, Techniken und Medien in kreativer/kokreativer Weise einsetzt und entwickelt und den Therapeuten/die Therapeutin selbst als „kreatives Medium“ und koaktive Gestalter sieht.

     
  4. 4.

    Integrative Therapie ist „ethikgeleitete Therapie“, die ihr Handeln an Werten orientiert, welche in einer „Grundregel“ für die Praxis umrissen wurden.

     
  5. 5.

    Integrative Therapie gründet in systematischer „methodischer Reflexion/Metareflexion“ und zielt auf sorgsame, für neue Impulse, Ideen, Forschungsergebnisse offene, gemeinsame, korespondierende Weiterentwicklung des Verfahrens und seiner Methoden.

     
  6. 6.

    Integrative Therapie ist differentiell und integrierend auf „komplexes Lernen“ (Sieper/Petzold 2002) auf der kognitiven, emotionalen, volitiven und Handlungsebene gerichtet (Heuring/Petzold 2003; Petzold, Engemann, Zachert 2003).

     

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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  • Ilse Orth
  • Hilarion G. Petzold

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