Die Massenmedien im Wahlkampf pp 338-355 | Cite as
Stimmungen und Wählerstimmen — was die Papstwahl mit der Bundestagswahl zu tun hat (und mit Fußball)
Auszug
Wie wir etwas beurteilen, hängt nicht nur vom Objekt ab und von den Maßstäben, die wir daran anlegen. Es wird vielmehr auch davon beeinflusst, in welcher Stimmung wir uns befinden. Dieser psychologische Mechanismus vermag auch die polische Urteilsbildung zu beeinflussen und kann daher bei Wahlen eine Rolle spielen. Der Einfluss von Stimmungen auf Wahlergebnisse ist nicht so erheblich, wenn gute und schlechte Laune der einzelnen Bürger, je nach subjektivem Befinden, in der gesamten Bevölkerung zufällig verteilt sind und sich somit im Aggregat tendenziell aufheben. Stimmungen sind vielmehr dann ein wichtiger Faktor, wenn sie sich gleichgerichtet in der Bevölkerung ausbreiten. Bestimmte Ereignisse sind nämlich dazu geeignet, die Stimmung weiter Teile einer Nation synchron zu erfassen. Die wichtigsten Bedingungen hiefür liegen darin, dass ein solches Ereignis erstens für einen Großteil der Bevölkerung emotionales Potenzial besitzen muss und darüber hinaus, zweitens, einem Großteil auch zur Kenntnis gelangt — was im Wesentlichen durch die Massenmedien zustande gebracht wird. Beide Kriterien treffen regelmäßig auf sportliche Großereignisse mit nationaler Beteiligung zu, die Rekordreichweiten in Presse und Fernsehen erzielen. In Deutschland ist in dieser Hinsicht zuvorderst der Fußballsport dazu geeignet, die Laune einer ganzen Nation zumindest kurzfristig zu synchronisieren.
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