Zwischen pädagogischen Programmen und praktischem Erfahrungswissen: Eine qualitative Studie zu professionellem Handeln von Krippenerzieherinnen in den neuen Bundesländern

  • Iris Nentwig-Gesemann

Auszug

Im Zuge der deutschen Vereinigung trafen unterschiedliche Konzeptionen pädagogischer Früherziehung und damit verbunden auch unterschiedlich definierte Profile und praktische Ausgestaltungen des Erzieherinnenberufs aufeinander. Auch nach mehr als zehn Jahren geriet die Vorschulpädagogik der DDR immer wieder in den Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung.1 Viele Spannungen, Irritationen und wechselseitige Stereotypisierungen, die den Integrationsprozess immer wieder blockierten, sind grundlegend darauf zurückzuführen, dass weder im Rahmen von im Common Sense verankerten, standortgebundenen Diskussionen, noch in wissenschaftlichen Analysen ausreichend und systematisch zwischen den normativen Vorgaben und Erziehungsprogrammatiken einerseits sowie den handlungsleitenden Orientierungen, der professionellen Handlungspraxis der Erziehungspersonen andererseits, unterschieden wurde. Professionali-sierungsbemühungen beschränkten sich in den ersten Jahren oft auf sogenannte ‚Anpassungsqualifizierungen‘, welche die milieuspezifischen Erfahrungsgrundlagen und das berufspraktische Alltagshandeln der Erzieherinnen wenn nicht missachteten, dann zumindest nicht zu integrieren vermochten.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Authors and Affiliations

  • Iris Nentwig-Gesemann
    • 1
  1. 1.Bildung im KindesalterAlice-Salomon-Fachhochschule BerlinBerlin

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