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Gehorsam und Glaube: Die Geburt des modernen Subjekts

  • Klaus Türk
  • Thomas Lemke
  • Michael Bruch
Chapter
Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Auszug

Die in den Schriften der Theoretiker der „Polizey“ programmatisch geforderte Unter-Ordnung des Lebenswandels der Einzelnen bestimmt die politische Praxis des frühneuzeitlichen Staates und hat entscheidenden Anteil an der „Geburt des modernen Subjekts“ - als Untertan (Subjekt stammt vom lateinischen subjectum und bedeutet „das Daruntergeworfene“ bzw. „das darunter Liegende“, vgl. Hoffmeister 1955, S. 585). Die Freiheit des souveranen Subjekts meint zunachst einmal dessen Freisetzung aus ständischen Rechten und traditionellen Solidaritaten; sie findet ihre materielle Grundlage in der Souveränität des modernen Staates: Untertanen sind «Individuen» wo ihr Verhältnis zum weltlichen Herrscher durch die Besonderheiten von Rang und Standbestimmt sind. Waren bis dahin nur vor dem Jüngsten Gericht alle gleich, sind sie es nun vor dm Gerichtshof des Königs. Anders als in der glorreichen Geschichte des «sich selbst entdeckenden Individuums» entpringt dieser Beitrag zur Genese moderner Individualität keiner Erhöhung des Individuums, sondern einer Reduzierung auf die individuelle Person. Die Herren wie Genossen entrechtende Homogenisierung zum Untertan bringt eine nicht mehr aus Solidargemeinschaften, sondern Individuen zusammengesetzte Gesellschaft in Sicht, die sich zunächst innerhalb einer auf den Souverän zentrierten Sphäre des Staates herausbildet (Sonntag 1999, S. 113, Hervorheb. im Orig.).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Authors and Affiliations

  • Klaus Türk
  • Thomas Lemke
  • Michael Bruch

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