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Die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

  • Klaus Türk
  • Thomas Lemke
  • Michael Bruch
Chapter
Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Auszug

In der hier betrachteten Periode bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges setzt sich ein zentralistisches und imperialistisches Organisationsparadigma durch, das eine unmittelbare Machbarkeit und umfassende Planbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse unterstellt. Immer größere Bedeutung kommt dabei Organisationslehren, also wissenschaftlichen Reflexionen des Organisationsphänomens zu, die mit ihrer Systematisierungs- und Differenzierungsarbeit durchaus pragmatische Absichten verfolgen (vgl. z. B. Pfordten 1917; Plenge 1919; Nicklisch 1920; Erdmann 1921). In alien europäischen Ländern (einschl. der Sowjetunion) und in den USA (vor allem im Rahmen des sog. „New Deal“ 1933-39) findet eine Ausdehnung und Intensivierung staatlicher Herrschaft statt. Die Staatsapparate verbinden sich in unterschiedlicher Weise mit den „privaten“ Organisationsregimen des Kapitals, den Verbänden und Parteien zu einem erheblich erweiterten Regulationsstaat, dem „integralen Staat“ (Gramsci). Ein weiteres Kennzeichen der Epoche ist die Entstehung eines arbeitspolitischen Dispositivs in diesen Ländern. Dabei wird die aus der sozialistischen Tradition stammende Arbeitsorientierung übernommen und ein komplexer Arbeitskult mit starker nationalistischer Ausprägung propagiert, dessen ideologische Funktion sich bis in die bildende Kunst nachweisen lässt (vgl. Türk 2000a). Das ehemals frühsozialistische Motto von der „Organisation der Arbeit“ wird nun zum Schlachtruf eines nationalstaatlich-militanten Produktivismus, der — wie zuvor schon im Merkantilismus, nun allerdings in radikalisierter Form — die Bevölkerung als ökonomisch-produktiven Körper und als militärisch einsetzbares Menschenmaterial begreift.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Authors and Affiliations

  • Klaus Türk
  • Thomas Lemke
  • Michael Bruch

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