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Methodenkritische Anmerkungen zur Empirie ehrenamtlichen Engagements

  • Harald Künemund

Auszug

Das Interesse am Feld der ehrenamtlichen Tätigkeiten hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Dies indizieren prominent z.B. die Ausrufung des Jahres 2001 zum „Internationalen Jahr der Freiwilligen“ im Jahr 1997 oder die Einsetzung einer Enquete-Kommission „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestags im Jahr 2000. Bereits zuvor gab es eine ganze Reihe empirischer Befunde zum Ehrenamt, aber seither hat die Zahl der Untersuchungen und Publikationen nochmals deutlich zugenommen, und entsprechend häufig werden Engagementquoten und andere empirische Befunde zum Ehrenamt präsentiert und interpretiert. Die Ergebnisse weichen allerdings häufig erheblich voneinander ab — die ermittelten Engagementquoten variieren, mal sind Frauen stärker engagiert, mal Männer, mal Ostdeutsche, dann wieder Westdeutsche usw. —, so dass bei der Lektüre dieser Befunde schon gelegentlich der Eindruck entstand, man wisse „im Grunde nichts“ (Ziegler 1998: 42), noch nicht einmal zur Verbreitung solcher Tätigkeiten.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Authors and Affiliations

  • Harald Künemund

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