Biographieforschung und interkulturelle Pädagogik

  • Ursula Apitzsch

Auszug

Sozialwissenschaftliche Biographieforschung ist seit ihren Anfängen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf die Erforschung der Konstitution interkultureller menschlicher Lebenszusammenhänge gerichtet. In der berühmten Studie von Thomas und Znaniecki über „The Polish Peasant in Europe and America““, die während des 2. Weltkriegs in Chicago entstand und in den USA erstmals 1918 erschien, wurde Biographieforschung als eine innovative sozialwissenschaftliche Methode entwickelt, die sich zum Ziel genommen hatte, schwer erklärbare migrationsspezifische soziale Phänomene als etwas qualitativ Neues gegenüber der Herkunfts- und der Aufhahmegesellschaft zu erklären. So ist einer der ganz praktischen sozialpolitischen AnstöBe (vgl. Fischer-Rosenthal 1989) für die Studie über polnische bäuerliche Einwanderer in der dramatisch wachsenden Industriestadt im Norden der USA die Tatsache, dass amerikanische Sozialarbeiter den Verfall der polnischen Migrantenfamilie feststellen, aber mit herkömmlichen Mitteln der Sozialarbeit nicht aufhalten konnten. Ziel der biographischen Forschung ist es dabei, die Einwandererkolonie nicht nur als Abbild der „Old World Traits“ zu verstehen, als kulturelle Wurzeln, die man aus der Alten in die Neue Welt hinüber rettet, sondern als etwas Neues, Emergentes, in dem sich unter bestimmten, näher zu erforschenden Bedingungen die neuen interkulturellen Regeln der Einwandererge-sellschaft als ein „tertium quid“ herausbilden. (Vgl. Thomas/Znaniecki 1958/1, S. 48–59).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Authors and Affiliations

  • Ursula Apitzsch
    • 1
  1. 1.Soziologie und Politologie an der Universität FrankfurtDeutschland

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