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Zwischen Gemeinschaft und Gegnerschaft–Anmerkungen zum Potential des Fußballs für soziale Inklusion

  • Gerd DembowskiEmail author
Chapter
Part of the Bildung und Sport book series (BUS, volume 4)

Zusammenfassung

Der Beitrag setzt sich vor dem Hintergrund einer noch immer von „hegemonialer Männlichkeit“ und „weißer Suprematie“ geprägten Fußballkultur und der teilweise „rassifizierten“ Integrationsdebatte in Deutschland mit den nicht immer praxistauglichen Integrationskonzepten und -Maßnahmen der Sportverbände auseinander. Entgegen pauschalisierenden Bewertungen des Fußballs als ‚Integrationsmotor‘ bleibt die alltägliche Praxis sozialer Inklusion nur begrenzt medienwirksam vermittelbar und auch aus kulturhistorischer Perspektive ambivalent. Der Fußball bewegt sich demnach stets zwischen den Polen Gemeinschaft und Gegnerschaft, Segregation und Integration, Kosmopolitismus und Nationalisierung und ist somit ein „Seismograph“ gesellschaftlichen Wandels. In diesem Spannungsfeld muss auch die bewusste Weiterentwicklung des Fußballs als Feld für soziale Inklusion betrachtet werden.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SportwissenschaftLeibniz Universität HannoverHannoverDeutschland

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