Der Zweite ist der erste Verlierer – Scheitern und seine Äquivalente im Sport

Chapter
Part of the Innovation und Gesellschaft book series (INNOVAT)

Zusammenfassung

Scheitern im Sport ist eines jener Themen, die verhältnismäßig häufig in medial-öffentlichen Diskursen zirkulieren und wenig im Spezialdiskurs der Sportwissenschaft kommuniziert werden. Der öffentliche Interdiskurs kreist um Gescheiterte im Sport, weil diese gleichsam die Sieger aufwerten. Für die Massenmedien erzeugen diese Kontraste gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Wettkampfsituationen und Spannungselemente wecken beim Publikum Emotionen, wenn „unser Held“ oder „unser Team“ kläglich gescheitert ist. Dahingegen ist im sportwissenschaftlichen Diskurs das Phänomen des Scheiterns zugunsten einer Erfolgsorientierung unterbelichtet. So betrachten die Naturwissenschaften im Sport vor allem die Genese sportlicher Leistungen. Die entsprechende medizinische sowie bewegungs- und trainingswissenschaftliche Diagnostik ist darauf ausgerichtet, „optimiert zu trainieren“ und etwaige Fehler zu vermeiden. Die Sportökonomie begutachtet häufig innerhalb von Auftragsanalysen Sportmärkte, Konsummuster und wirtschaftliche Bedeutungen von Großevents im Hinblick auf ihre Effizienz und Effektivität . Die Sportpädagogen widmen sich vornehmlich Lern- und Transfereffekten des Sports.

Literatur

  1. Bette, Karl-Heinrich (1999): Systemtheorie und Sport. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  2. Bette, Karl-Heinrich (2004): X-treme. Zur Soziologie des Abenteuer- und Risikosports. Bielefeld: Transcript.Google Scholar
  3. Bette, Karl-Heinrich (2003): X-treme: Soziologische Betrachtungen zum modernen Abenteuer- und Risikosport. In: Alkemeyer, Thomas/Boschert, Bernhard/Gebauer, Gunter/Schmidt, Robert (Hg.): Aufs Spiel gesetzte Körper. Aufführungen des Sozialen in Sport und populärer Kultur. Konstanz: UVK, 19–36.Google Scholar
  4. Bette, Karl-Heinrich/Schimank, Uwe (1996): Anpassung durch Abweichung. Doping im Hochleistungssport. In: Sarkowicz, Hans (Hg.): Schneller, höher, weiter. Eine Geschichte des Sports. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 420–431.Google Scholar
  5. Bette, Karl-Heinrich/Schimank, Uwe (2000): Sportevents: Eine Verschränkung von ‚erster‘ und ‚zweiter‘ Moderne. In: Gebhardt, Winfried/Hitzler, Ronald/Pfadenhauer, Michaela (Hg.): Events. Soziologie des Außergewöhnlichen. Opladen: Leske und Budrich, 307–323.Google Scholar
  6. Bette, Karl-Heinrich/Schimank, Uwe (2006): Doping im Hochleistungssport. Anpassung durch Abweichung. 2. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  7. Bette, Karl-Heinrich/Schimank, Uwe/Wahlig, Dominik/Weber, Ulrike (2002): Biographische Dynamiken im Leistungssport. Möglichkeiten der Dopingprävention im Jugendalter. Köln: Sport und Buch Strauß.Google Scholar
  8. Breuer, Simone/Kleinert, Jens (2009): Primäre Sportsucht und bewegungsbezogene Abhängigkeit: Beschreibung, Erklärung und Diagnostik. In: Batthyány, Dominik/Pritz, Alfred (Hg.): Rausch ohne Drogen: Substanzgebundene Süchte. Wien: Springer, 191–218.Google Scholar
  9. Cachay, Klaus/Thiel, Ansgar (2000): Soziologie des Sports. Zur Ausdifferenzierung und Entwicklungsdynamik des Sports der modernen Gesellschaft. Weinheim/München: Juventa.Google Scholar
  10. Degele, Nina (2006): Sportives Schmerznormalisieren. Zur Begegnung von Körper- und Sportsoziologie. In: Gugutzer, Robert (Hg.): Body turn. Perspektiven der Soziologie des Körpers und des Sports. Bielefeld: Transcript, 141–161.Google Scholar
  11. Dresen, Antje (2010): Doping im Spitzensport als soziales Problem. Ursachen und Folgen eines gesellschaftlichen Diskurses. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  12. Eckart, Balz/Detlef, Kuhlmann (2003): Sportpädagogik. Ein Lehrbuch in 14 Lektionen. Aachen: Meyer & Meyer.Google Scholar
  13. Gebauer, Gunter (1987): Die Masken und das Glück. Über die Idole des Sports. In: Becker, Peter (Hg.): Sport und Höchstleistung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 105–122.Google Scholar
  14. Gebauer, Gunter (1997): Von der Körpertechnologisierung zur Körpershow. In: Caysa, Volker (Hg.): Sportphilosophie. Leipzig: Reclam, 275–289.Google Scholar
  15. Giddens, Anthony (1996): Konsequenzen der Moderne. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  16. Giddens, Anthony (2001): Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben verändert. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  17. Göring, Arne (2006): Risikosport – Interdisziplinäre Annäherung, empirische Befunde und Anwendungsbezüge. Georg-August-Universität Göttingen (Dissertation online über URL: http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2006/goering/goering.pdf, Stand 30.5.2011).
  18. Göring, Arne (2008): Risikosport – zwischen Trend und Tradition: Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung. Saarbrücken: Vdm Verlag Dr. Müller.Google Scholar
  19. Gugutzer, Robert (2006): Der body turn in der Soziologie. Eine programmatische Einführung. In: Gugutzer, Robert (Hg.): Body turn. Perspektiven der Soziologie des Körpers und des Sports. Bielefeld: Transcript, 9–53.Google Scholar
  20. Kurscheidt, Markus/Preuß, Holger/Schütte, Norbert (2008): Konsuminduzierter Impakt von Sportgroßevents am Beispiel der Fußball-WM 2006. In: Wirtschaftspolitische Blätter 55, 79–94.Google Scholar
  21. Lenk, Hans (1972): Leistungssport: Ideologie oder Mythos? Zur Leistungskritik und Sportphilosophie. Stuttgart/Berlin: Kohlhammer.Google Scholar
  22. Lenk, Hans (1997): Eigenleistung sportlich – athletisch. In: Caysa, Volker (Hg.): Sportphilosophie. Leipzig: Reclam, 142–171.Google Scholar
  23. Lobinger, Babette/Knobloch, Jörg/Steinbacher, Anja (2004): Essverhaltensstörungen im Leistungssport. In: Cachay, Klaus/Halle, Arne/Teubert, Hilke (Hg.): Nachwuchsleistungssport aktuell – zwischen Computer und Powerfood. Aachen: Meyer & Meyer, 67–78.Google Scholar
  24. Luhmann, Niklas (1975): Soziologie als Theorie sozialer Systeme. In: Luhmann, Niklas: Soziologische Aufklärung. Bd. 1. Opladen: Westdeutscher Verlag, 113–136.Google Scholar
  25. Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  26. Luhmann, Niklas (1990): Risiko und Gefahr. In: Luhmann, Niklas: Soziologische Aufklärung. Bd. 5. Opladen: Westdeutscher Verlag, 131–169.Google Scholar
  27. Luhmann, Niklas (2004): Die Realität der Massenmedien. 3. Auflage. Wiesbaden:VS Verlag.Google Scholar
  28. Mieth, Dietmar (2004): Doping – ethische Perspektiven. In: Pawlenka, Claudia (Hg.): Sportethik. Regeln – Fairness – Doping. Paderborn: Mentis, 225–235.Google Scholar
  29. Meuser, Michael (2006): Körper-Handeln. Überlegungen zu einer praxeologischen Soziologie des Körpers. In: Gugutzer, Robert (Hg.): Body turn. Perspektiven der Soziologie des Körpers und des Sports. Bielefeld: Transcript, 95–116.Google Scholar
  30. Opaschowski, Horst W. (2000): Xtrem. Der kalkulierte Wahnsinn. Extremsport als Zeitphänomen. Hamburg: Germa Press.Google Scholar
  31. Schimank, Uwe (1988): Die Entwicklung des Sports zum gesellschaftlichen Teilsystem. In: Mayntz, Renate (Hg.): Differenzierung und Verselbständigung. Zur Entwicklung gesellschaftlicher Teilsysteme. Frankfurt a. M.: Campus, 181–232.Google Scholar
  32. Schimank, Uwe (2007): Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  33. Schimank, Uwe (2011): Gesellschaftliche Differenzierungsdynamiken – ein Fünf-Fronten-Kampf. In: Schwinn, Thomas/Kroneberg, Clemens/Greve, Jens (Hg.): Soziale Differenzierung. Handlungstheoretische Zugänge in der Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag, 261–284.Google Scholar
  34. Schücker, Linda/Ebbing, Lisa/Hagemann, Norbert (2010): Learning by analogies: implications for performance and attentional processes under pressure. In: Human movement 11, 191–199.Google Scholar
  35. Stiehler, Hans-Jörg/Marr, Mirko (2001): Das Ende der Ausreden. Mediale Diskurse zum Scheitern im Sport. In: Roters, Gunnar/Brinkmann, Tomas (Hg.): Sport und Sportrezeption. Baden-Baden: Nomos, 111–131.Google Scholar
  36. Weiß, Ottmar (1999): Einführung in die Sportsoziologie. Wien: WUV Universitätsverlag.Google Scholar
  37. Weiss, Paul (1969): Sport – A philosophical Inquiry. Carbondale: Illinois University Press.Google Scholar
  38. Wirkus, Bernd (2001): Erfolg/Misserfolg. In: Grupe, Ommo/Mieth, Dietmar (Hg.): Lexikon der Ethik im Sport. Schorndorf: Hofmann, 122–128.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SportwissenschaftJohannes Gutenberg Universität MainzMainzDeutschland

Personalised recommendations