Die verstimmte Demokratie pp 115-122 | Cite as
Die Schönwetterdemokratie im Umfragetief: Weniger Demoskopie wagen?
Zusammenfassung
Insbesondere in Zeiten des Wahlkampfs werden die Auguren der öffentlichen Meinung, die Demoskopen, argwöhnisch beäugt. Sie messen der Bevölkerung, wenn man so will, regelmäßig und dann besonders häufig den Puls. Nicht zuletzt die so genannte Sonntagsfrage gelangt ins Zentrum der Aufmerksamkeit, auch wenn sie nicht wirklich Vorhersagequalitäten besitzt. Sie erfasst im Grunde nur die Stimmung der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung. Je weiter dieser noch vom Wahltermin entfernt liegt, als desto unzuverlässiger erweist sich eine solche „Prognose“ als Prognose für den Wahlausgang. Doch ungeachtet von „Fehlprognosen“, die schnell zu einem „Debakel der Demoskopen“ stilisiert werden, konnte die Branche der Umfrageforschung über die vergangenen Jahrzehnte hinweg florieren. Entgegen der öffentlichen Prominenz ist der Anteil der politischen Meinungsforschung an diesem expandierenden Dienstleistungssektor im Vergleich zur wirtschaftlichen Marktforschung klein.