Hofmannsthals Dramen pp 23-33 | Cite as
Der Tod des Tizian
Zusammenfassung
Die Regiebemerkung zu Beginn des Stückes lautet: »Spielt im Jahre 1576, da Tizian neunundneunzigjährig starb. Die Szene ist auf der Terrasse von Tizans Villa, nahe bei Venedig.« (GLD, S. 181) Dramatischer Hintergrund des Fragments ist die Erwartung von Tizians Tod. Diese Todeserwartung allein verleiht dem Gespräch der Tizian-Schüler einen Rest von dramatischer Aktualität. Aber der Tod tritt nicht ein, obwohl die Schüler gegen Ende des ›Bruchstücks‹ von Tizian wie von einem Gestorbenen sprechen. Was hier geschieht, ereignet sich hinter der Szene: Tizian malt sein letztes Bild. Davon hören die Schüler ausschließlich im Bericht der Mädchen, die statt einer Beschreibung des Bildes nur ihre Modellhaltungen nennen. Einige wörtliche oder indirekte Zitate aus Tizians Mund werden wiedergegeben, so zum Beispiel sein Ausruf: »Es lebt der große Pan.« Pan ist auch der Gegenstand des Gemäldes, den Lisa als Modell in Gestalt einer Puppe trägt. »Ich halte eine Puppe in den Händen, / Die ganz verhüllt ist und verschleiert ganz, / Und sehe sie mir scheu verlangend an: / Denn diese Puppe ist der große Pan, / Ein Gott, / Der das Geheimnis ist von allem Leben.« (GLD, S. 197) Der sterbende Tizian malt den Gott des Lebens, in ihm das »Geheimnis« des Lebens, in Gestalt einer Puppe.1
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