Andreas Gryphius pp 70-72 | Cite as
Sprache und Stil
Zusammenfassung
Bereits von den Zeitgenossen wurden Gryphius’ rethorisches Talent und die gewaltige Kraft seiner Sprache bewundert. Daß er sich der in der Rhetorik gebotenen Mittel höchst wirkungsvoll bediente, wird an seinen Gedichten ebenso wie an seinen lateinischen Epen, seinen Trauerspielen und Komödien sogleich deutlich. Allenthalben begegnen die verschiedenartigsten rhetorischen Figuren, mit denen der Dichter seinen religiösen Aussagen Nachdruck verleiht — neben der Exclamation und Paronomasie, Hyperbel und Parenthese erscheinen das Oxymeron und die Antithese, die dem Gegensatz von Zeit und Ewigkeit, unaufhörlichem Wechsel und unerschütterlicher Beständigkeit gültigen Ausdruck verleihen. Durch die Häufung vorwiegend von Nomina, durch syndetische oder asyndetische Reihung von Satzgliedern und Sätzen erhält seine Sprache eine Dynamik, die sie von den Verlautbarungen seiner unmittelbaren Vorganger abhebt. Nicht mehr die klassizistische Ausgewogenheit des Sprachgestus’, die für Opitz charakteristisch ist, sondern eine bewußt erstrebte Asymmetrie in der dichterischen Aussage wird zum Kennzeichen der Gryphiusschen Dichtungen, die durch Reihung und insistierende Nennung ihre deiktische Funktion unterstreicht.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- Strich: Der lyrische Stil des 17. Jhs. In: Abhandlgn z. dt. Litgesch. (Festschrift F. Muncker.) 1916.Google Scholar
- R. Alevyn: Vorbarocker Klassizismus u. griechische Tragödie. Analyse der Antigone-Obersetzung des Martin Opitz. In: Neue Heidelb. Jhb. 1926, Nachdruck 1962 (Libelli Bd 79).Google Scholar
- P. Hankamer: Die Sprache, ihr Begriff u. ihre Deutung im 16. u. 17. Jh. 1927.Google Scholar
- H. Pliester: Die Worthäufungen im Barock. 1930.Google Scholar
- Lazarus: Die künstlerische Behandlung der Sprache bei A. Gr. 1932.Google Scholar
- G. Fricke: Die Bildlichkeit in der Dichtung des A. Gr. Materialien u. Studien zum Formproblem des dt. Literaturbarock. (Neue Forschung. 17.) 1933, Nachdruck 1967.Google Scholar
- Fr.-Wentzlaff-Eggebert: Dichtung u. Sprache des jungen GT. 1936; 2., stark erweit. Aufl. 1966.Google Scholar
- M. PRAZ: Studies in seventeenth century Imagery. Vol. I; Vol. II (A Bibliography of Emblem Books). London 1939, 1947.Google Scholar
- P. Böckmann: Formgeschichte der dt. Dichtung. Bd r. 1949.Google Scholar
- W. F. C. Ade: The proverb in the German works of A. Gr. Northwest. Univ. Summaries of D. Diss. 17 (1949), S. 56 ff.Google Scholar
- Joos: Die Metaphorik im Werke des A. Gr. Diss. Bonn 1956. [Masch.]Google Scholar
- W. Flemming: Die Fuge als epochales Kompositionsprinzip des dt. Barock. In: DVjs. 32 (1958), S. 483 ff.Google Scholar
- K. O. Conrady: Latein. Dichtungstradition u. dt. Lyrik des 17. Jhs. (Bonner Arbeiten z. dt. Lit. Bd 4.) 1962.Google Scholar
- A. Schöne: Emblematik u. Drama im Zeitalter des Barock. 1964.Google Scholar
- D. W. Jöns: Das »Sinnen-Bild«. Studien zur allegorischen Bildlichkeit bei A. Gr. (Germanist. Abhandlgen. 13.) 1966.Google Scholar
- M. Windfuhr: Die barocke Bildlichkeit u. ihre Kritiker. Stilhaltungen in der dt. Literatur des 17. U. 18. Jhs. (Germanist. Abhandlgen. 5.) 1966.Google Scholar