Das ›Bildungsangebot‹ in Schlettstadt in der zweiten Hälfte des XV. und im ersten Viertel des XVI. Jahrhunderts

  • FrÉdÉric Hartweg
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Die Blüte des elsässischen Humanismus, der sich besonders durch seine didaktische Komponente auszeichnete, ist im wesentlichen aus der Schlettstadter Lateinschule hervorgegangen. Die dem Zehnstädtebund angehörende elsässische Reichsstadt verfügte in der zweiten Hälfte des XV. und im ersten Viertel des XVI. Jh.s über eine der wichtigsten Bildungsanstalten am Oberrhein, die weit über das regionale Einzugsgebiet hinaus bis zu 900 Schülern in die ca. 4000 Einwohner zählende Stadt brachte. Die günstige Lage an der Grenze zwischen Unter- und Oberelsaß, eine gewisse auf dem Weinbau und Handel beruhende Prosperität, die Übernahme der Ratsherrschaft durch die Zünfte, die nach Ausschaltung der Geschlechter die Zölle (zunächst zusammen mit der Propstei St. Fides) und Gerechtsame in ihre Hand zu bringen wußten, das Zusammenwirken von Stadtrat und Pfarrgeistlichkeit boten die Bedingungen für die Errichtung einer städtischen Lateinschule. Die durch Schenkungen und Ankäufe erweiterte Pfarrbibliothek bot Lehrern und Schülern ein wichtiges Werkzeug der intellektuellen Arbeit. Das geistige Leben der Stadt beschränkte sich jedoch nicht auf den Schulbetrieb, und die von Wimpfeling gegründete ehrgeizige ›Sodalitas litteraria Selestadensis‹ versuchte dem humanistischen Streben eine größere Breitenwirkung zu verleihen. Schließlich versuchte man in einer Stadt, die hervorragende Meister der Druckerkunst wie J. Mentel und M. Schürer hervorgebracht hatte, die Möglichkeit des neuen Mediums zu nutzen. Klassiker der Antike, philosophische und philologische humanistische Schriften, aber auch Produkte der religiösen Kontroversliteratur wurden auf den Pressen des Lazarus Schürer und des Nikiaus Küffer hergestellt.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1984

Authors and Affiliations

  • FrÉdÉric Hartweg
    • 1
  1. 1.Universität Paris X-NanterreFrance

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