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Metaphysik und Metaphysikkritik

  • Georg W. BertramEmail author
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Adornos Verhältnis zur Metaphysik ist wie sein Verhältnis zu vielen bedeutenden Fragen und Aspekten der Philosophie: ambivalent. Zweifelsohne hat Adorno sein Denken in gewisser Hinsicht als Metaphysikkritik begriffen. Er erhebt aber mit seiner Kritik nicht den Anspruch, ein metaphysikkritisches Denken zu begründen. Auch wenn er in seiner Habilitationsschrift Kierkegaard schreibt, »metaphysische Intentionen würde er [Adorno] nicht mehr derart affirmativ bekunden« (GS 2: 261), so ist damit die Metaphysik nicht verabschiedet. Vielmehr hat sich im Rahmen von Adornos Denken zunehmend eine Solidarität mit der Metaphysik herausgebildet. Der berühmte Schlusssatz der NegativenDialektik erläutert diese Solidarität als eine mit der »Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes« (GS 6: 400). Will man also Adornos Verhältnis zur Metaphysik bestimmen, gilt es, die Solidarität mit der Metaphysik aus ihrer Kritik heraus verständlich zu machen.

Die folgenden Überlegungen wollen dies besonders dadurch...

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland

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