Advertisement

Zeitdiagnose

  • Gunnar HindrichsEmail author
Chapter

Zeitdiagnose ist für Adornos Denken keine Zutat. Sie gehört zu dessen Kern. Obwohl Adornos zahlreiche Einlassungen auf die Erscheinungen seiner Gegenwart oft kontingent wirken, führen sie auf diesen Kern zurück. Entsprechend enthalten sie nicht nur scharfsinnige Beobachtungen. Sie artikulieren eine allgemeine Struktur des geschichtlich-gesellschaftlichen Zustandes. Im Folgenden soll diese Struktur freigelegt werden.

Der hegelmarxistische Horizont

Um Adornos Zeitdiagnose angemessen zu verstehen, ist ein zentraler Satz Hegels zu berücksichtigen. Der Satz lautet: »Philosophie [ist] ihreZeitinGedankenerfaßt« (Hegel 1995: 16). Mit ihm sagt Hegel drei Dinge aus.

Erstens wähnt sich die Philosophie nicht unberührt vom Zeitlichen, etwa indem sie als immerwährende Philosophie (philosophiaperennis) in allen Zeiten dieselbe zu sein oder als ewige Weisheit (sapientiaaeterna) über allen Zeiten zu schweben behauptete. Stattdessen besteht ihre Bestimmtheit im Zugriff auf ihre eigene Zeit. Zweitens...

Literatur

  1. Bohrer, Karl Heinz (Hrsg.) (1982): Mythos und Moderne. Begriff und Bild einer Rekonstruktion. Frankfurt a. M.Google Scholar
  2. Engels, Friedrich (1968): Brief an Franz Mehring vom 14. Juli 1893. In: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke 39. Berlin: 96–101.Google Scholar
  3. Frank, Manfred (1982): Der kommende Gott. Vorlesungen zur Neuen Mythologie. Frankfurt a. M.Google Scholar
  4. Gehlen, Arnold (2004): »Über kulturelle Kristallisation«. In: Ders.: Gesamtausgabe 6. Frankfurt a. M.: 298–314. Google Scholar
  5. Habermas, Jürgen (1985): Der philosophische Diskurs der Moderne. Frankfurt a. M.Google Scholar
  6. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1980): Phänomenologie des Geistes. Hamburg. Google Scholar
  7. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1981): Wissenschaft der Logik. Zweiter Band: Die subjektive Logik oder die Lehre vom Begriff. Hamburg.Google Scholar
  8. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1995): Grundlinien der Philosophie des Rechts. Hamburg.Google Scholar
  9. Kant, Immanuel (1911): Kritik der reinen Vernunft. Berlin.Google Scholar
  10. Kant, Immanuel (1928): »Was heißt: Aufklärung?«. In: Ders.: Abhandlungen nach 1781. Berlin: 33–42. Google Scholar
  11. Lukács, Georg (1968), Geschichte und Klassenbewußtsein. Neuwied/Berlin.Google Scholar
  12. Marcuse, Herbert (1989): Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Frankfurt a. M.Google Scholar
  13. Marx, Karl (1969a): »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Kritik des Hegelschen Staatsrechts«. In: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke 1. Berlin: 203–333. Google Scholar
  14. Marx, Karl (1969b): »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung«. In: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke 1. Berlin: 378–391.Google Scholar
  15. Marx, Karl (1969c): »Zur Kritik der politischen Ökonomie«. In: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke 13. Berlin: 3–160.Google Scholar
  16. Nietzsche, Friedrich (1972): Unzeitgemäße Betrachtungen. Berlin.Google Scholar
  17. Nietzsche Friedrich (1973): Die Fröhliche Wissenschaft. Berlin.Google Scholar
  18. Ritter, Joachim (1974): Subjektivität, Frankfurt a. M. Google Scholar
  19. Weber, Max (1920): »Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus«. In: Ders.: Gesammelte Studien zur Religionssoziologie 1. Tübingen: 17–206.Google Scholar
  20. Weber, Max (1922): »Wissenschaft als Beruf«. In: Ders.: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Tübingen: 524–555. Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.BaselSchweiz

Personalised recommendations