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Handbuch Sound pp 377-381 | Cite as

Gender

  • Karin Martensen
Chapter

»I am what I look and I sound like« – unter diesem Titel machte im Jahr 2012 eine Ausstellung in Düsseldorf auf das Wechsel- und Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und Hörbarkeit von Geschlechtskörpern aufmerksam. Hier wurde für die Sprechstimme aufgezeigt, was für die Singstimme schon sehr viel länger als evident erschien: dass sich nämlich Geschlecht auch in und durch Stimmlichkeit artikuliert und die ›Rauheit der Stimme‹ (Roland Barthes ) samt ihrem ›sozialen Sinn‹ (Pierre Bourdieu ) als akustischer Marker fungiert. Wie zu zeigen sein wird, ist das Thema damit jedoch keinesfalls erledigt. Vielmehr stellen sich die folgenden Fragen noch immer: Welches Geschlecht hört man eigentlich? Hat ›Geschlecht‹ einen spezifischen Sound? Welche (politischen) Folgerungen leiten sich daraus ab? Antworten auf diese Fragen berühren vielerlei Teilkomplexe aus Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Musiksoziologie und Komposition.

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Karin Martensen
    • 1
  1. 1.HannoverDeutschland

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