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Empfindungsfähigkeit

  • Johann S. Ach
Chapter

Zusammenfassung

Beinahe alle Ansätze in der Ethik stimmen heute darin überein, dass der Mensch moralische Verpflichtungen gegenüber empfindungsfähigen oder schmerzempfindungsfähigen Tieren hat. Die verschiedenen tierethischen Ansätze und Positionen unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Begründung der moralischen Verpflichtung gegenüber Tieren. Sie ziehen auch unterschiedliche Schlussfolgerungen hinsichtlich der konkreten moralischen Pflichten, die sie für begründbar halten. Dass empfindungsfähige oder schmerzempfindungsfähige Tiere um ihrer selbst willen Berücksichtigung finden müssen, ist in der tierethischen Diskussion aber wenig bestritten. Diese Berücksichtigung schließt nach überwiegender Auffassung neben der negativen Verpflichtung, Tieren keine (unnötigen) Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen, auch positive Pflichten ein, insbesondere eine Pflicht zur Fürsorge und zur Förderung des Wohls von empfindungsfähigen Tieren. Der moralische Unwert einer Zufügung von Leiden oder Schmerzen lässt sich offenbar aus den unterschiedlichsten Moralkonzeptionen herleiten und ist insbesondere mit den grundlegenden moralischen Prinzipien der Schadensvermeidung (non-maleficence) und des Wohltuns (beneficence) gut vereinbar.

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Authors and Affiliations

  1. 1.MünsterDeutschland

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