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84 Sprache

  • Anne Betten

Zusammenfassung

»Aber aus der Sprache kommt doch alles«, erwiderte Thomas Bernhard 1983 auf meine Erklärung, dass ich ›nur‹ über seine Sprache arbeite. Tatsächlich gibt es seit Beginn der Bernhard-Rezeption keine Arbeit, in der sich nicht zumindest Anmerkungen zur Sprache fänden, denn ihr kommt eine Schlüsselfunktion zum Werk und seiner Thematik zu. Peter Handke hat 1967 die Faszination beschrieben, die der Redestrom des Fürsten Saurau in Verstörung mit seinen »Verzweiflungsnamen«, »Empfindlichkeits«- und »Qualwörtern«, den Wort- und Satzwiederholungen, Superlativen und »fremden Sprechweisen als Verstörungszeichen« auf ihn ausübte: »Ich las und las und las ...« (Handke 1970, 101, 104 und 106). Eyckeler (1995, 111) hat dies als »Sprachsog« bezeichnet, der durch das »Zusammenspiel nur weniger Grundprinzipien«, nämlich »Wiederholung und Variation, Polarität und Steigerung« entstehe, doch mit einem »beträchtlichen Spielraum«, der »von Text zu Text unterschiedlich und variabel genutzt wird«.

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Authors and Affiliations

  • Anne Betten
    • 1
  1. 1.Fachbereich GermanistikUniversität SalzburgSalzburgAustria

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