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34 Ein Kind

  • Günther Stocker

Zusammenfassung

Ein Kind erscheint im Frühjahr 1982 im Residenz Verlag als fünfte und letzte der autobiographischen Erzählungen Thomas Bernhards und umfasst seine früheste Lebensphase. Entstanden ist der Text wie Die Kälte im damaligen Jugoslawien. Der handschriftliche Vermerk auf dem Einschlagblatt des Typoskripts lautet »19. November /81 /Opatija [?]« (vgl. Komm. W 10, 524). Das Abschlussbuch der Autobiographie durchbricht die fast nahtlose chronologische Anordnung der vorigen vier Bände, die mit dem dreizehnjährigen Thomas Bernhard beginnen (Die Ursache) und mit dem neunzehnjährigen enden (Die Kälte). Ein Kind reicht in einer längeren Analepse die Geschichte seiner Mutter (W 10, 439 f.) und des Großvaters mütterlicherseits (432 ff.) nach, erzählt von Geburt und früher Kindheit, vom Eintritt in die Schule und den mehrfachen Ortswechseln von den Niederlanden nach Wien, nach Seekirchen bei Salzburg und schließlich ins bayerische Traunstein. Der Text endet mit dem Dreizehnjährigen, der nach Salzburg in die Schule kommen soll, obwohl zuerst Passau als neuer Schulort geplant war. Der Schlusssatz des Buches ist angesichts von Thomas Bernhards Erfahrungen in Salzburg von scharfem Sarkasmus: »Mein Großvater griff sich an den Kopf und sagte: wie gut, daß es nicht Passau ist, daß ich Salzburg für dich bestimmt habe« (509). Die Ursache schließt chronologisch genau hier an und beginnt mit der berüchtigten Tirade über Salzburg als »Todeskrankheit« (11 f.), die alles Schöpferische vernichte, so dass seine »Studierzeit« in Salzburg »zweifellos seine entsetzlichste Zeit gewesen ist« (10).

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Literatur

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Günther Stocker
    • 1
  1. 1.Institut für GermanistikUniversität WienWienAustria

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