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18 Ja

  • Barbara Mariacher

Zusammenfassung

Die kurze Erzählung Ja, die 1978 im thematischen Umfeld der Autobiographie und der Prosaminiaturen Der Stimmenimitator erscheint, lässt sich als »Umspringbild« (Mariacher 1999, 14; nach Schmidt-Dengler 1995, 20) charakterisieren, das im Spannungsfeld von Realität und Fiktion, authentischer Beschreibung und philosophischer Verdichtung oszilliert. So kann der Text einerseits als Bernhards »biographische[r] Rückblick auf die Phase seiner eigenen Bautätigkeit und die Zeit des freundschaftlichen Umgangs mit dem Realitätenvermittler Karl Ignaz Hennetmair und seiner Familie« (Höller 1993, 94) gelesen werden. Andererseits greift die Erzählung durch die darin vorgenommene Fiktionalisierung sowie durch ihre novellistische Struktur (vgl. Fellinger 2006, 150) und ihre philosophisch-musikalische Akzentuierung weit über diese biographische Ebene hinaus. Dies unterstützt nicht zuletzt auch der Nachlassbefund. So war zum Beispiel – wie Hans Höller und Manfred Mittermayer im Anhang der Werkausgabe feststellen – die Person des Ich-Erzählers, der eine gewisse Nähe zum Autobiographischen suggeriert, »nicht in jeder Arbeitsphase die einzig mögliche Erzählperspektive« (Komm. W 13, 321).

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Barbara Mariacher
    • 1
  1. 1.Department of Languages, Literature and Communication GermanUniversiteit UtrechtUtrechtNetherlands

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