Zusammenfassung
Die religiösen Überzeugungen von Johannes Brahms sind schon früh Gegenstand von Diskussionen und Spekulationen gewesen. Heinrich von Herzogenberg (Herzogenberg 1897, 69) bezeichnete Brahms’ Kompositionen als das Werk eines »kern-protestantischen und tiefreligiösen Mannes«. Der Brahms-Freund Rudolf von der Leyen (von der Leyen 1905, 32) legt dem Komponisten eine Äußerung in den Mund, wonach er über sich selbst sagte, »daß wir Norddeutschen jeden Ta g nach der Bibel verlangen und keinen Tag ohne sie vergehen lassen«. Clara Simrock, die Frau des Brahms-Verlegers Fritz Simrock, erwähnt, dass Brahms eine Ausgabe des Neuen Testaments immer in seiner Gehrocktasche bei sich getragen habe (Bock 1931, 477 f.). Gegenüber diesen Berichten, die zumindest Brahms’ intensive Beschäftigung mit der Bibel belegen, wurde namentlich durch Max Kalbeck ein Bild vom religiösen Brahms entworfen, das den Ketzer und Freigeist herauskehrt.
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