Zusammenfassung
Gemeinhin gilt Kitsch als abwertend gebrauchter Sammelbegriff für stilistisch und ästhetisch minderwertige Produkte der Sparten ↗Design, Kunsthandwerk und Kunst. Dabei wird das Epitheton ›kitschig‹ von den subalternen und klischeehaften, den überladenen und unechten, ja seelenlosen und verlogenen Anmutungen solcher Objekte zugleich auf die Ebene von Gefühlsdispositionen übertragen. Als Gegenbegriff zur Kunst zeigt sich der Terminus vielfach kulturkritisch funktionalisiert. Ungesichert ist die Etymologie des im Grimmschen Wörterbuch noch nicht verzeichneten Ausdrucks, dem auch kein engl. oder frz. Äquivalent zur Seite steht. Eine gelegentlich von engl. ›sketch‹ abgeleitete Herkunft gilt als strittig. Plausibler erscheint die Ableitung von ›Kitsche‹, einem bei Bau, Unterhaltung und Reinigung von Straßen verwendeten Gerät, vornehmlich zum Abziehen von Schlamm und Schmutz (vgl. Schulte-Sasse 1976; Braungart 1997, S. 14). Als ›gekitscht‹ und dann auch ›Kitsch‹ seit dem letzten Drittel des 19. Jh. belegt, wird das mit dem soßigbraunen Schlamm assoziierte Verb ›kitschen‹ in der Bedeutung von streichen, schmieren, zusammenscharren und im Sinne von billiger Mache und eiligem Verhökern verwendet.
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