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Körnig. Stifters granulare Prosa, vom autobiographischen Fragment her gelesen

  • Franziska Frei GerlachEmail author
Chapter
Part of the Abhandlungen zur Literaturwissenschaft book series (ABLI)

Zusammenfassung

Über Stifters ganzes Schreiben hinweg indiziert das Körnlein an programmatischer Stelle, dass es mit ihm um den Kern des Schreibens geht. Stifter folgt den Valenzen des Korns im Spannungsfeld von Sand, Getreide und Samenkorn und stellt die damit jeweils aufgerufenen spezifischen Formen, Inhalte und Eigengesetzlichkeiten ebenso aus wie er deren Homonymie nutzt, um Verbindungen zwischen differenten Körnern zu stiften. In seiner granularen Struktur, als kleinste mit dem Auge noch erkennbare Einheit, markiert das Körnlein eine Wahrnehmungsgrenze, unterhalb derer die von Stifter so gefürchtete Indifferenz der Zeichen droht. An der Polyvalenz des Korns können so Gesetzmäßigkeiten der Teilbarkeit und Verbindung, der Erosion und des Wachstums verhandelt werden. Von der Urszene des Kornhalms im autobiographischen Fragment her gelesen zeigt sich, wie diese Epistemologie des Korns auch für die Selbstvergewisserung des Schreibprozesses einsteht und sich formal in Stifters Schreibprogramm niederschlägt, das in tautologischen Reihungen gleichförmiger Fragmente Körnchen um Körnchen Welt zusammensetzt. Stifter verfährt „körnig“, er schreibt eine granulare Prosa.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.ZürichSchweiz

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